Landeskunde Baden-Württemberg

 

Die Weltwirtschaftskrise

Mit dem New Yorker Börsenkrach 1929, dem sogenannten Schwarzen Freitag, begann die Weltwirtschaftskrise. Auch der deutsche Südwesten wurde hart getroffen, allerdings wirkte sich die Krise je nach Region unterschiedlich aus: Die kleinteilige, technisch höher stehende Industrie Württembergs hatte im Verhältnis nur geringe Einbußen zu verzeichnen. Hart getroffen wurde dagegen die Feinmechanik im Schwarzwald, die nordbadische Industrie und die Landwirtschaft in Südbaden sowie die agrarisch geprägten Regionen Württembergs.

Der Aufstieg der NSDAP

Der Aufstieg der NSDAP wurde zwar durch die Krise beschleunigt, doch wie das Beispiel Baden zeigt, war die Organisation der Partei und charismatische Personen für den Wahlerfolg äußerst wichtig. Robert Wagner, dem Gauleiter Badens und Parteigenossen Hitlers der ersten Stunde, gelang es mithilfe modernster Kommunikationsmittel und Massenveranstaltungen, auch in ländlichen Gegenden, bei der Landtagswahl 1929 einen Achtungserfolg zu erringen. Die NSDAP in Baden erreichte knapp 7 Prozent der Stimmen. In Württemberg dagegen war die NSDAP vorerst nur eine Splitterpartei. In der Landtagswahl von 1928 erreichte sie gerade einmal 1,7 Prozent der Stimmen.

Nachdem die Partei mit einer Klage wegen Benachteiligung vor dem Staatsgerichtshof erfolgreich war, erhielt sie im Landtag gerade einmal einen Sitz. Diesen konnte sie aber nicht nutzen: Die Führung der NSDAP in Württemberg war zerstritten und stieß in weiten Teilen des Landes auf Ablehnung. Die württembergische protestantische Bevölkerung war zwar deutschnational und konservativ eingestellt, gleichzeitig verhinderte die starke religiöse Bindung aber ein „Überlaufen“ zu den Nationalsozialisten. Außerdem bot der Bauernbund eine hinreichend „radikale“ Alternative als ländliche organisierte Protestpartei.

Die NSDAP profitierte auf Reichsebene von der allgemein schlechten Stimmung, ausgelöst durch die Wirtschaftskrise, vor allem aber aus dem Unwillen der Parteien der Weimarer Koalition auf Reichsebene zusammenzuarbeiten. Als Folge der Mehrheitsverhältnisse im Reichstag und der Blockade der übrigen Parteien ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler, eine Entscheidung, die in den Untergang führen sollte.

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