Landeskunde Baden-Württemberg

 

Rechtsextremismus

In der Folge vergiftete sich auch in Württemberg und Baden die politische Stimmung. Die Konservativen hingen weiterhin der Monarchie an, allen demokratischen Bestrebungen der Politiker begegneten sie mit Argwohn und insbesondere die Angehörigen des Militärs konnten sich mit dem neuen Rahmen nicht abfinden. In ganz Deutschland kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, die nicht nur in der Presse ausgetragen wurden. Matthias Erzberger, Leiter der deutschen Waffenstillstandskommission, stammte aus Württemberg und vertrat die Interessen Württembergs im Reichstag, wurde schließlich sogar Reichsfinanzminister der neuen Republik. Sein Eintreten für den Waffenstillstand und den Versailler Vertrag bezahlte er mit dem Leben, als er im August 1921 in Bad Griesbach im Schwarzwald von Mitgliedern der rechtsgerichteten Organisation Consul, einer Vereinigung ehemaliger Freikorpsoffiziere, ermordet wurde. Als „Erfüllungspolitiker“ habe er die Interessen Deutschlands verraten und handle nur im Interesse der Alliierten. Die realpolitischen Möglichkeiten wurden auf konservativer Seite völlig falsch eingeschätzt und trugen zur Destabilisierung des politischen Systems bei. Auch Walter Rathenau bezahlte seine politische Arbeit ein knappes Jahr nach Erzbergers Ermordung mit seinem Leben.

Diese Auseinandersetzungen um das „richtige“ politische System fanden auch in Württemberg und Baden statt, wenn auch in gemäßigteren Formen. Doch eines war gleich: Politik und Justiz konzentrierten sich auch in Württemberg und Baden lediglich auf die Umsturzgefahr von links, der größeren Gefahr der Rechtsextremisten begegnete man zurückhaltend bis verständnisvoll. Die Mörder Erzbergers beispielsweise wurden zwar schnell ermittelt, aber nicht festgenommen, sie flohen aus Deutschland, kamen im „Dritten Reich“ zurück und wurden erst in der neu gegründeten Bundesrepublik mit geradezu lächerlichen Freiheitsstrafen von etwa zwei Jahren verurteilt. Auch der Antisemitismus griff um sich, insbesondere im protestantischen Milieu Württembergs verknüpften sich der politische Standort der DNVP mit dem Antisemitismus. In Baden gab es, bedingt durch die mehrheitlich katholische Bevölkerung, einen religiös begründeten Antisemitismus, der allerdings eher gruppenspezifisch und nicht individualistisch ausgeprägt war.

Nach oben