Landeskunde Baden-Württemberg

 

Auswanderung

Schon seit den 1780er Jahren kam es immer wieder zu großen Auswanderungswellen, so auch 1816 infolge einer Hungersnot und Vorstellungen innerhalb des Pietismus, die propagierte, die Wiederkunft Christi stünde unmittelbar bevor. Auch in den 1830er Jahren intensivierte sich die Auswanderung nach Amerika und fand ihren ersten Höhepunkt nach dem Hunger- und Revolutionsjahr 1848. Nachdem die wirtschaftliche Lage weiterhin desaströs war, erreichte die Auswanderung um 1854 ihren absoluten Höhepunkt, um in der Folge – insbesondere durch die wirtschaftliche Erholung infolge der Reichsgründung 1871 – nachzulassen und schließlich zu versanden. Insbesondere die Einwohner mit einem kleinen Vermögen, Handwerker, Kleinunternehmer und alleinstehende, arbeitsfähige junge Männer wanderten nach Nordamerika aus, um dort ein besseres Leben zu finden. Eine Hoffnung, die in den meisten Fällen trog.

Einkommensschwache konnten mit staatlicher Unterstützung bei den Kosten der Auswanderung rechnen, so wurde auf Seiten der Städte und Gemeinden versucht, die dauernden Sozialausgaben zu senken. Rund 20 Prozent der Einwohner Süddeutschlands nahmen die Strapazen einer Auswanderung auf sich, viele freilich zogen lediglich in die anderen deutschen Staaten, die zum Ausland gezählt wurden. Nicht jeder fand in der Neuen Welt sein Auskommen, nicht wenige kehrten desillusioniert und nun völlig verarmt in die alte Heimat zurück. Die Auswanderung betraf durch zerrissene Familienbande, durch den berühmten „reichen Onkel aus Amerika“ oder durch eigene Erlebnisse einen Großteil der deutschen Bevölkerung, im Süden waren vor allem Altwürttemberg und Baden betroffen.

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