Landeskunde Baden-Württemberg

 

Deklassierung, Enteignung und Flucht

In Jugoslawien gab es, soweit bisher bekannt, keinen förmlichen  Ausweisungsbeschluss. Dafür wurde aber die verbliebene deutsche Bevölkerung enteignet und in Konzentrationslagern zusammengefasst. Die Bedingungen in diesen Lagern und die Ausschreitungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten rund 60 000 Tote zur Folge. Vom verbliebenen Rest der deutschen Bevölkerung floh bis 1947 ein Teil nach Ungarn. Im Zuge der Auflösung der Internierungs lager seit 1948 wurden ihre Insassen nach Ungarn und Österreich abgeschoben. Ein  nicht  unbeträchtlicher  Teil  wanderte  dann  nach  Übersee und in die Bundesrepublik aus. Von den in Jugoslawien Verbliebenen  kamen  im  Rahmen  der  Familienzusammenführung in den 1950er-Jahren etwa 62 000 Personen in die Bundesrepublik. Wenn auch eine geringe Zahl in Jugoslawien verblieb, so führte der Krieg dazu, dass die einst größte Minderheit in Jugoslawien faktisch nicht mehr existiert.

Aus dem rumänischen Banat flohen nur wenige Menschen. So  wie  der  überwiegende  Teil  der  deutschen  Minderheiten  Rumäniens  verblieben  die  meisten  Banater  Schwaben in  ihren  Heimatorten.  Es  kam  zu  Plünderungen,  Übergriffen  und  Gewalttaten  der  sowjetischen  Truppen  und  auch vereinzelt von Angehörigen der rumänischen Bevölkerung. Aber sie hielten sich in Grenzen und trugen keinen systematischen Charakter. Eine Ausweisung der Banater Schwaben vergleichbar mit Ungarn und Jugoslawien gab es in Rumänien nicht. Die deutsche Minderheit wurde zunächst sowohl rechtlich als auch sozial und wirtschaftlich deklassiert. Zudem gab es neben der Deportation in die Sowjetunion temporäre Zwangsumsiedlungen innerhalb des Landes. Dennoch und gerade weil Rumänien seine deutsche Bevölkerung nicht auswies, bestand in Rumänien eine deutsche Minderheit bis zum Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 fort.