Landeskunde Baden-Württemberg

 

Energie und Umwelt

Das Industrieland Baden-Württemberg strebt eine nachhaltige und klimaverträgliche Energieversorgung an. Das kann auf zwei Wegen erreicht werden: Die bisherige Energienutzung muss effizienter werden und bei der Energieerzeugung braucht es fortschrittliche Alternativen. In Baden-Württemberg soll 2050 nur noch halb so viel Energie verbraucht werden wie noch 2010. Insgesamt 80 Prozent der Energie soll dann mithilfe Erneuerbarer Energien bereitgestellt werden und die aus der Enerigenutzung entstehenden CO2-Emmissionen sollen um 90 Prozent niederiger sein, als noch 1990. Diese Ziele sind im Klimaschutzgesetz verankert, das 2013 in Kraft getreten ist.

EWärme-Gesetz

In Baden-Württemberg soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärmeversorgung deutlich steigen und damit CO2 eingespart werden. Denn Heizungen und die Aufbereitung von Warmwasser machen zusammen knapp ein Viertel der im Bundesland entstehenden Treibhausgasen aus. Derzeit wird die dafür nötige Energie zu etwa 90 Prozent aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Um das zu ändern, hat der Landtag das neue Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) verabschiedet, das zum Juli 2015 in Kraft getreten ist. Es löst damit die Vorgängerversion von 2008 ab.

Das EWärmeG sieht vor, dass in jedem Gebäude zu mindestens 15 Prozent erneuerbare Energien zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung genutzt werden - also auch in Nichtwohngebäuden (Büro-, Verwaltungsgebäude, Hotels, Schulen, etc.). Diese Vorgabe wird relevant, wenn eine Zentralheizung erneuert oder neu eingebaut wird - vorausgesetzt, es handelt sich um ein Gebäude mit einer Wohnfläche > 50 m², das vor 2009 errichtet worden ist. Der Pflichtanteil kann etwa durch Beimischung von Biogas oder Bioöl zu den fossilen Brennstogfen, eine Solarthermieanlage oder eine Holzpelletheizung erreicht werden. Möglich sind auch kostengünstigere Ersatzmaßnahmen, wie etwa eine bessere Dämmung der Kellerdecke.

zum Gesetzestext.

Energiequellen

Strom und Wärme werden in Baden-Württemberg nach wie vor hauptsächlich durch konventionelle Kraftwerke erzeugt. 2015 hatte Baden-Württemberg einen Primärenergieverbrauch (beschreibt den Endenergieverbrauch sowie die Verluste, die bei der Umwandlung von Primärenergie in Endenergie entstehen) von 1.416 Petajoule und einen Endenergieverbrauch von 1.023 Petajoule. Zum Vergleich: 1 Petajoule entspricht etwa 277,8 Millionen Kilowattstunden (kWh) - ein Waschgang in der Waschmaschine braucht etwa 1 kWh. In Baden-Württemberg hatte der Primärenergieverbrauch 2006 einen Höchststand von knapp 1.703 pJ erreicht. Obwohl der Energieverbrauch 2015 gegenüber 2014 aufgrund kühlerer Temperaturen im Winter wieder leicht gestiegen ist, lässt sich generell eine sinkende Verbrauchstendenz beobachten. Dafür hat auch das Abschalten der Kernreaktoren Neckarwestheim Block I und Philippsburg Block I im Jahr 2011 gesorgt. Wird Kernenergie durch Träger erneuerbarer Energie ersetzt, vermindert das den Primärenergieverbrauch bei gleicher Strommenge - Grund hierfür ist der bessere Wirkungsgrad.

Mineralöle waren 2015 mit einem Anteil von mehr als einem Drittel die wichtigste Energiequelle, Kernenergie und Erdgas trugen mit 17 bzw. 19 Prozent zur Energieerzeugung bei. Erneuerbare Energieträger lieferten rund 12,6 Prozent, wovon zwei Drittel auf Biomasse beruhten (Wasserkraft: 1,2 Prozent, Solarenergie: 1,6 Prozent, Geothermie: 0,5 Prozent).

Bis 2020 sollen laut Landesregierung 38 Prozent der Bruttostromerzeugung (erzeugte Stromenergie plus der dabei entstehenden Verluste) aus Erneuerbaren Energien kommen. Dann sollen Sonne (12 Prozent) und Wind (10 Prozent) die wichtigsten Träger der regenerativen Stromerzeugung sein. 2014 machten Erneuerbare Energien bereits 23,7 Prozent der Bruttostromerzeugung in Baden-Württemberg aus, Photovoltaik (7,8 Prozent) und Wasserkraft (7,9 Prozent) waren dabei am wichtigsten.

Versorgungssicherheit

Wie viel Strom durch Wind und Sonne gewonnen werden kann, hängt von den Gegebenheiten ab und ist nicht planbar. Somit ist die Versorgungssicherheit, also die störungsfreie Versorgung mit Gas und Strom zu jeder Zeit, wie es das Energiewirtschaftsgesetz vorschreibt, eine große Herausforderung für die Energiewende. Eine sichere Versorgung ist aber möglich, sofern das Energiesystem entsprechend modernisiert wird.

Die Stromnetze müssen künftig an die Anforderungen angepasst werden, die durch erneuerbare Energien entstehen. Das bezieht sich zum einen auf teils längere Transportwege, zum anderen auf Systeme, die auf eventuelle Lastschwankungen im Netz schnell mit steuernden Maßnahmen reagieren können. Außerdem werden in Zukunft Speichertechnologien eine wichtige Rolle spielen, um überschüssigen Strom zum entsprechenden Zeitpunkt abrufbar zu machen. Für den Notfall sollen hocheffiziente und schnell reaktionsfähige Gaskraftwerke die Stromproduktion übernehmen.

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