Landeskunde Baden-Württemberg

 

Grenze a. D.

Zum Nachleben von Baden und Württemberg

Hermann Bausinger

In weitem Bogen verlief die Grenze zwischen Baden und Württemberg vom Tauberland ganz im Nordosten bis zur Mitte des nördlichen Schwarzwalds beim Kniebis und weiter ins Donautal bei Tuttlingen; von dort ging es in einer kleinen Ausbuchtung nach Norden und dann in südöstlicher Richtung zum Bodensee. Diese Grenze existierte fast anderthalb Jahrhunderte: Bis 1918 trennte sie die durch die napoleonische Neuordnung entstandenen Staaten, das Großherzogtum Baden und das Königreich Württemberg; in der Weimarer Republik blieben die territorialen Grenzen der Länder erhalten, und auch nach der sogenannten Gleichschaltung von 1933 behielt die Grenze eine gewisse Bedeutung, da sich die organisatorische Gliederung der Nationalsozialisten weithin an den früheren Ländern orientierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Auflösung dieser Raumstruktur, zunächst durch die von den Besatzungsmächten festgelegte Einteilung in eine nördliche (Württemberg-Baden) und zwei südliche staatliche Einheiten (Württemberg-Hohenzollern und Süd-Baden), danach schon wenige Jahre später zur Vereinigung von Baden, Württemberg und dem kleinen Hohenzollern im neuen Südweststaat. Seine Gründung 1952, die Entstehung des im folgenden Jahr Baden-Württemberg benannten Landes, setzte die alte Trennlinie außer Kraft – Grenze ade, Grenze a. D.!