Landeskunde Baden-Württemberg

 

Das Landeswappen

Das Große Landeswappen von Baden-Württemberg wurde vom Landtag 1954 als „Symbol der Einheit und der Vielfalt“ beschlossen. Die gewählte Darstellung sollte zudem dazu dienen, die Traditionen der früheren Länder und der Landesteile zu bewahren. Heraldisch von links nach rechts in der Wappenkrone : Franken, Hohenzollern, Baden, Württemberg, Kurpfalz, Vorderösterreich. Auf dem Wappenschild: die staufischen Löwen.

Historische Wurzel Baden-Württembergs

Der Gründung des Landes Baden-Württemberg waren heftige und leidenschaftlich geführte Auseinandersetzungen vorangegangen. Doch nach dem Volksentscheid vom 9. Dezember 1951, in dem sich die Wähler mehrheitlich für den Zusammenschluss der von den Alliierten geschaffenen Länder (Süd-)Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern ausgesprochen hatten, schritt die Bildung des neuen Landes zügig voran. Bereits am 9. März 1952 fanden im Gesamtland Wahlen zur Verfassunggebenden Landesversammlung statt. Am Freitag, den 25. April 1952 konnte Reinhold Maier, der aufgrund des Wahlergebnisses für viele überraschend gerade zum Ministerpräsidenten gewählt worden war,feststellen, dass um 12 Uhr 30 Minuten durch seine Erklärung die alten Länder zu einem Bundesland vereinigt seien.

„Die Regierung machte sich mit Elan an die ihr übertragenen Aufgaben und erließ mit einer Präzision, die an die eines Uhrwerkes erinnerte, eine Verordnung nach der anderen, so dass schon Anfang Dezember der Aufbau der Verwaltung im Wesentlichen abgeschlossen war“, resümierte die Stuttgarter Zeitung zum Jahresende 1952. Doch noch verfügte das Land über keine Verfassung, hatte weder einen Namen noch ein Wappen. Die Beratungen über die dauerhaften Symbole des neuen Staates zogen sich hin. Sie erwiesen sich als außerordentlich schwierig, insbesondere, was den Namen und das Wappen anbelangte, die symbolhaft für das ganze Bundesland stehen sollten.

Wilfried Setzler

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Der Name

Ängste, Vorbehalte, Ressentiments

Wer nun glaubte, durch die geglückte Vereinigung der drei Länder sei der vorhergehende Streit um die Neugliederung aus der Welt, vergessen, bewältigt, überwunden, der wurde rasch enttäuscht. Noch einmal traten in den Parlamentsdebatten und in der öffentlichen Meinung all die alten, in der Vergangenheit wurzelnden Ängste, Vorbehalte und Ressentiments lautstark und vielfältig zu Tage. In der Auseinandersetzung spielten Befürchtungen und Irrationales eine große Rolle. Wieder wurde vor allem historisch argumentiert. So beschworen selbst jene, die sich durchaus rational und konstruktiv mit der Vereinigungsfrage auseinandersetzten, als Zeugen ihrer Argumente die Vergangenheit, die Geschichte der beiden Länder Baden und Württemberg und konstatierten – je nach Lager –unterschiedliche oder gemeinsame Herkunft, Kultur, Wirtschaft oder Sprache.

Klar war allen Parlamentariern, dass das neue Land einen Namen und ein Wappen benötigte. Bei den diesbezüglichen Debatten zeigte sich im Landtag mehrheitlich der parlamentarische Wille, die Gegensätze zu überbrücken und eine integrative, von einer breiten Mehrheit getragene Lösung zu finden. Dies bestätigte sich auch bei der langen und hartnäckig geführten Diskussion um den Namen, die sich schließlich auf die Frage zuspitzte, ob das neue „Schwaben“ zu nennen oder ob ein „Bindestrichname“ zu wählen sei.

Für die Entscheidung spielten, wie man den Reden der Parlamentarier entnehmen kann, vor allem zwei Überlegungen eine wichtige Rolle: So war man sich zum einen einig, dass der neue Name „für Jahrzehnte, unter Umständen für Jahrhunderte die politische Bezeichnung des Raumes im Südwesten“ der Bundesrepublik festlegte. Zum andern wollte man bei der Namengebung – nach der Verbitterung und der Frustration über die Art und Weise des Volksentscheids – das „Empfinden einer Annexion durch Württemberg“ vermeiden. Und so entschieden sich schließlich am 4. November 1953 in dritter Lesung bei namentlicher Abstimmung zunächst 70 der 109 Abgeordneten gegen den Namen Schwaben; 39 waren dafür. Danach stellte sich nur noch die Frage, ob das Land nun Baden-Württemberg oder Württemberg-Baden heißen solle. Das Ergebnis war eindeutig: 85 Abgeordnete stimmten für Baden-Württemberg.

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Die Landesfarben: Schwarz-Rot-Gold?

Geklärt wurde schließlich auch die Frage der Landesfarben, die vor allem auf Fahnen und Flaggen wahrgenommen werden, aber auch das Layout von Publikationen der Landesregierung oder Werbeträgern mit bestimmen. Die Landesregierung hatte zunächst die Farben Schwarz-Rot-Gold favorisiert,die von 1946 an auch das ehemalige Land Württemberg-Baden geführt hatte. Diese Farbkombination, die zudem einst schon auch die Weimarer Republik gewählt hatte, galt seit der 1848er-Revolution als Zeichen der Demokratie. Diesem Vorschlag widersprach die CDU und führte ins Feld, Schwarz-Rot-Gold seien auch die Farben der Bundesrepublik, was leicht zu Verwechslungen führen könne. Zudem konterkariere dies das föderalistische Prinzip der Bundesrepublik.

Die Oppositionspartei beantragte deshalb an Stelle von Schwarz-Rot-Gold eine zweibahnige Kombination mit Schwarz-Gold zu wählen. Diesem Vorschlag schloss sich dann auch der Verfassungsausschuss mehrheitlich an, zumal bei Schwarz-Gold alle drei ehemaligen Bundesländer mit mindestens einer ihrer alten Farben vertreten waren. Nach so viel Einigkeit hätte man nun auch eine schnelle Lösung für das Landeswappen erwarten können. Doch als dann am 11. November 1953, nach 18-monatiger Beratung mit 102 Ja-, fünf Neinstimmen und sieben Enthaltungen die Verfassung des Landes mit dem Namen Baden-Württemberg und den Landesfarben Schwarz-Gold verabschiedet werden konnte, war die Wappenfrage noch immer ungeklärt und umstritten. Deshalb hieß es dazu im Artikel 24 lapidar: „Das Landeswappen wird durch Gesetz bestimmt.“