Landeskunde Baden-Württemberg

 

Das Badnerlied

Das Badnerlied ist zum ersten Mal in einer Liedersammlung aus dem Jahr 1902 belegt. Es erschien dort als eines von mehreren Marschliedern badischer Soldaten. Offensichtlich war es zu dieser Zeit bereits sehr populär. Gegenstand sind die landschaftliche Vielfalt und die regionalen Besonderheiten des Großherzogtums Baden, wie es durch Napoleon 1806 geschaffen wurde. Dass in einer Zeile neben Bauer und Edelmann auch "das liebe Militär" vorkommt, legt die Vermutung nahe, dass das Lied ursprünglich von Soldaten gesungen wurde.

Andere konkrete Details weisen auf eine Datierung zwischen 1865 und 1890 hin. Der Hinweis "In Mannheim die Fabrik" ist vorher wenig sinnvoll, denn 1865 setzt mit der Gründung der BASF die Industrialisierung deutlich sichtbar ein. Im Jahre 1890 wird die Festung Rastatt geschleift, somit muss das Lied vorher entstanden sein. Das Lied wird nach wie vor von den Anhängern badischer Fußballmannschaften regelmäßig gesungen, eine gewisse Konjunktur erlebte es auch 1952 bei der Schaffung des Landes Baden-Württembergs.

Das Badnerlied greift einzelne Bestandteile des Landes beispielhaft heraus, um den Menschen klarzumachen, was alles dazu gehört, wobei man in den meisten Fassungen von Süd nach Nord vorgeht, lokal durchaus mit Umstellungen von Strophen, je nachdem wo man sich befindet. So ist es klar, dass man im Raum Karlsruhe mit der Residenzstrophe beginnt. Beim Typ volksliedhafte Landeshymne sind ja solche Veränderungen erlaubt. So wird bei Sportveranstaltungen, mit der Brauerei als Sponsor, heute durchaus auch statt „in Rastatt ist die Festung“ gesungen: „in Rothaus ist die Brauerei, und das ist Badens Glück“.

Insgesamt genannt sind, zum Teil mit ihren kennzeichnenden „Produkten“, der Breisgau (Wein), Schwarzwald („schöne Mädchen“), Haslach im Kinzigtal (Erz), Karlsruhe (Residenz), Rastatt (Festung), Mannheim (Fabrik), Heidelberg (ohne weitere Angabe, es ist ja auch ein fremder Text). Baden wird also von der Rheinebene her definiert. Odenwald, Bauland oder Main-Tauber- Gebiet (mit Wertheim) werden genauso ignoriert wie Bodensee und Hochrhein. Darin spiegelt sich ziemlich genau die Entstehungsgeschichte des neuen Landes Baden wider: Es ist ein Staat, dessen Funktion und Grenzen von Frankreich definiert worden sind: als cordon sanitaire, als Grenzwall Frankreichs an dessen Ostgrenze.

Die im Lied ausgeklammerten Gebiete haben dafür keine Bedeutung, grenzen sie doch an Bayern, Hessen oder die Schweiz. Insgesamt ließe sich sagen: Integration durch Information. Emotionales kommt hinein durch superlativische Bewertungen – formal oder inhaltlich, wie: „Das schönste Land in Deutschlands Gauen“, „so herrlich anzuschauen“, „du edle Perl im deutschen Land“ oder indem man sich im Repertoire der Stereotypen bedient: „schöne Mädchen“.

All das könnten auch andere Länder von sich behaupten. Im kleinen, sich schmal dahinstreckenden Baden scheinen die Übertreibungen auch den Zweck zu erfüllen, größer zu erscheinen als man tatsächlich ist. Mehrdeutig ist der Hinweis auf die Festung Rastatt. Durch deren Kapitulation endete hier die Badische Revolution, 1849 niedergeschlagen durch preußische Truppen: ein „Glück“, wörtlich oder ironisch, die einen konnten das beim Singen so, die anderen so meinen. Die letzte Strophe, die die Harmonie von Bauer, Edelmann und Militär benennt, zeigt den nachrevolutionären, konservativen Wunsch nach Einigkeit, nach politischem und sozialem Frieden an, der eben „Goldes wert“ ist.

Text Badnerlied

Das schönste Land in Deutschlands Gau'n,
Das ist mein Badner Land,
Es ist so herrlich anzuschaun,
Und ruht in Gottes Hand.
Drum grüß' ich dich, mein Badner Land,
Du edle Perl im deutschen Land, deutschen Land,
Frisch auf, frisch auf, frisch auf, frisch auf, mein Badner Land!

Zu Haslach gräbt man Silbererz,
Bei Freiburg wächst der Wein,
Im Schwarzwald schöne Mädchen;
Ein Badner möcht' ich sein.
Drum grüß' ich dich ...

In Karlsruh' ist die Residenz,
In Mannheim die Fabrik,
In Rastatt ist die Festung,
Und das ist Badens Glück.
Drum grüß' ich dich ...

Der Bauer und der Edelmann,
Das stolze Militär,
Die schau'n einander freundlich an,
Und das ist Goldes wert.
Drum grüß' ich dich ...