Landeskunde Baden-Württemberg

 

Das Hohenzollernlied

Das HohenzollernIied besingt die Burg und den Felsen und gilt als Hymne von Hohenzollern. Es wird seit ungefähr 1860 verbreitet, die Herkunft des Liedes ist umstritten. Der Text wird zwei verschiedenen Verfassern zugeschrieben: Zum einen dem aus Hechingen stammenden Soldaten Konstantin Killmaier, der von 1858 bis 1861 in einem hohenzollerischen Füselier-Regiment zu Saarlouis diente. Zum anderen wird er dem Postpraktikanten Hermann Vitalowitz zugeschrieben. Dieser habe den Text 1849 als Hohenzollern durch Regierungsverzicht der Fürsten von Sigmaringen und Hechingen an Preußen fiel, verfasst. Als Melodie unterlegte Konstantin Killmaier seinen Text dem Resevisten lied "Was blinket so freundlich in der Ferne" (Titel: "Es lebe der Reservemann"). Dies wurde aufgezeichnet von Karl Becker im "Deutsches Soldaten Liederbuch" von 1893, Verlag Moritz Schauenburg in Lahr.

Die These, dass die Melodie auf das französische Lied "Ma Normandie" zurückgeht, erweist sich als nicht haltbar, da weder Melodieduktus, Notenwerte, Rhythmus und Taktart des Liedes eine Ähnlichkeit mit der Melodie des Hohenzollernliedes habe.

Zur Festigung der neuen Herrschaft versuchte Baden, die Integration durch eine konsequente Modernisierungspolitik zu bewerkstelligen, wozu eine moderne Verfassung genauso gehörte wie eine umfassende Infrastrukturpolitik. Genannt seien hier nur das Jahrhundertprojekt der Rheinregulierung und der früher als in Württemberg begonnene Eisenbahnbau, der nicht nur entlang der sprichwörtlichen Rheinschiene erfolgte, sondern quer durch das in jeder Hinsicht heterogene Land, um so das neue Staatsgebilde und seine Menschen zusammenzubinden. Symbolische Politik kam hinzu.

Hohenzollern hatte in der Neuordnung nach dem Ende des Alten Reiches wenig hinzugewonnen. Sein größter Gewinn bestand darin, überhaupt am Leben geblieben zu sein. Denn eigentlich passten die beiden Winzlinge Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen nicht in das Konzept der napoleonischen Neuordnung Deutschlands, das darauf aus war, leistungsfähige Mittelstaaten als Verbündete Frankreichs zu schaffen, die nicht zuletzt Soldaten stellen konnten. Nur dank der privaten Beziehungen von Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen (1760–1841) zum französischen Kaiserhaus blieb die Selbstständigkeit Hohenzollerns erhalten. Allerdings lehrten die eigenen Untertanen die beiden Fürstenhäusern in der Revolution von 1848/49 das Fürchten, sodass sie sich 1850 unter die Fittiche des Preußenadlers begaben.

Hohenzollern war damit noch unbedeutender geworden, die eigene Hymne konnte allenfalls noch identitätssichernd genutzt werden: gegen die ungeliebte württembergische Nachbarschaft und innerhalb des Königreichs Preußen, dem man nun als Hohenzollernsche Lande zugehörig war. Die Stammburg der Hohenzollern, hoch über Hechingen gelegen, blieb als Integrationssymbol übrig. Auch bei den neuen Herren im fernen Berlin blieb sie als Horst des Preußenadlers von symbolischer Bedeutung. Von daher verwundert es eigentlich nicht, dass Hohenzollern nur eine ziemlich nichtssagende Hymne hervorgebracht hat, strotzend von Heimweh und Rückkehrseligkeit, mit der Burg Hohenzollern als Heimatsymbol – und sonst nichts.

Text Hohenzollernlied

Nicht weit von Württemberg und Baden,
von Bayern und der schönen Schweiz,
da ragt ein Berg so hoch erhaben,
den man den Hohenzoller heißt.
Er schaut herab, so stolz und kühn
auf alle, die vorüberzieh´n
an Hohenzollerns steilem Felsen,
wo unverzagt die Eintracht ruht.

Von diesem Berg, da geht die Sage,

die sich ins ganze Land erstreckt,
und mancher Vater kennt die Klage,
die sich auf seinen Sohn erstreckt:
Man nahm ihn fort ins ferne Land,
sein Liebchen glaubt, er sei verbannt
von Hohenzollerns steilem Felsen,
wo unverzagt die Eintracht ruht.

Doch kommt die lang ersehnte Stunde,
die uns zur Heimat wieder ruft,
dann jauchzen wir mit frohem Munde
dem schönen Hohenzoller zu.
Und rufen laut: O Heimatland,
wie ist mein Herz an dich gebannt,
an Hohenzollerns steilen Felsen,
wo unverzagt die Eintracht ruht.