Landeskunde Baden-Württemberg

 

Personen aus Kultur/ Gesellschaft

Das Ländle hat neben Politiker und Unternehmern weitere Persönlichkeiten hervor gebracht, die erwähnenswert sind: für ihr gesellschaftliches Engagement, Wissenschaft, Kunst und Kultur.

Clemens Brentano (1778-1842)

Neben Eduard Mörike und Joseph Freiherr von Eichendorff zählt Clemens Brentano zu den größten Dichtern der Romantik. Vor allem die Musikalität und Phantasie seiner Verse werden bis heute gerühmt.

Am 9. September 1778 wurde Clemens Brentano als Sohn eines Frankfurter Kaufmanns in Ehrenbreitstein bei Koblenz geboren. Nach dem Schulbesuch in Koblenz und Mannheim begann er sowohl Bergwissenschaft als auch Medizin und Philosophie in mehreren Städten zu studieren, er schloss das Studium jedoch nie ab. Während seiner Studienzeit in Jena lernte er einige der Vertreter der Frühromantik kennen, unter anderem Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und die Brüder Schlegel. In dieser Zeit entwickelte Clemens Brentano seine literarischen Ambitionen.

Literarisches Werk der Frühromantik und Romantik

Durch den Tod der Mutter und des Vaters wurde Brentano Inhaber eines relativ großen Erbes, das ihm finanzielle Unabhängigkeit ermöglichte. Brentano widmete sich von nun an dem Schreiben. 1800 erschien unter anderem die Satire „Gustav Wasa“. 1801 lernte Brentano in Göttingen Achim von Arnim kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. 1804 ging Brentano gemeinsam mit von Arnim nach Heidelberg, wo sie die Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ erstellten, die sich bis heute großer Bekanntheit erfreut. Brentanos literarisches Frühwerk ist geprägt von Merkmalen der Frühromantik, unter anderem von der Kombination mehrerer literarischer Elemente.

1803 hatte Brentano Sophie Mereau geheiratet, drei Jahre später sollte sie jedoch bei der Geburt des ersten Kindes sterben. Kurz nach ihrem Tod heiratete Clemens Brentano erneut, doch die Ehe mit Auguste Bußmann zerbrach und wurde geschieden. Daraufhin verließ Brentano gemeinsam mit von Arnim Heidelberg und verbrachte die folgenden Jahre an verschiedensten Orten, unter anderem in Bayern, Berlin und Wien.

Nach einer unerfüllten Liebe zu der Pfarrerstochter Luise Hensel konvertierte Brentano zum Katholizismus und wandte sich schließlich von seinem literarischen Schaffen ab. Die folgenden Jahre verbrachte er mit mehreren christlich geprägten Publikationen, allen voran die Aufzeichnung der Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick.

Clemens Brentano zog nach München und erlebte dort eine weitere unglückliche Liebe. Während der Münchener Zeit entstand sein literarisches Spätwerk, unter anderem seine Märchensammlung „Gockel, Hinkel und Gackeleia“.

Sein letztes Lebensjahr verbrachte Brentano im Haus seines Bruders in Aschaffenbrug, wo er am 28. Juli 1842 starb.

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Wilhelm Hauff (1802-1827)

Neben den Gebrüdern Grimm ist Wilhelm Hauff einer der Urheber der bedeutendsten Märchensammlungen des 19. Jahrhunderts. Der begabte Schriftsteller, der nur 25 Jahre alt wurde, veröffentlichte außerdem zwei Romane und mehrere kleinere literarische Werke, die bis heute berühmt sind.

Wilhelm Hauff kam am 29. November 1802 als zweites von vier Kindern des Regierungssekretärs August Friedrich Hauff und dessen Frau Wilhelmine in Stuttgart zur Welt. Nach dem Tod des Vaters siedelte die Mutter mit ihren Kindern nach Tübingen über, wo Wilhelm Hauff die Lateinschule besuchte. Die Mutter sah für ihren Sohn das Priesteramt vor und schickte ihn auf die Klosterschule in Blaubeuren. Aufgrund der Einengung, die Hauff dort empfand, bat er um frühzeitige Entlassung, legte das Examen jedoch 1820 ab. Daraufhin begann er ein Studium der Theologie in Tübingen, das er 1825 beendete.

Literarische Erfolge

1823 lernte Wilhelm Hauff seine Cousine Luise kennen, die er vier Jahre später heiraten sollte. Von 1824 bis 1826 arbeitete er als Hauslehrer bei Ernst Eugen Freiherr von Hügel. In diesen Jahren gab Hauff seine ersten literarischen Werke heraus, unter anderem den Debütroman „Der Mann im Mond oder Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme“. Dieser Text wurde unter dem Pseudonym eines Trivialautors veröffentlicht, dessen Werke er als oberflächlich und barbarisch empfand. "Die Satire sollte ihm Gang und Stimme nachahmen, um ihn vor seinen andächtigen Zuhörern lächerlich zu machen", so Hauffs Intention. Als der Betrug aufflog, wurde Hauffs Verlag zu einer Geldstafe verurteilt. Der Presserummel um den Betrug trieb allerdings die Verkaufszahlen in die Höhe und verschaffte Hauff eine gewisse Bekanntheit.

Ebenfalls in die Jahre 1825 und 1826 fielen die Veröffentlichungen seiner beiden Märchensammlungen „Märchenalmanach für Söhne und Töchter gebildeter Stände“, in denen sich unter anderem „Die Geschichte von Kalif dem Storch“ und „Der Zwerg Nase“ befanden. 1926 erschien sein zweiter Roman, „Liechtenstein“. Hauff trat verschiedene Bildungsreisen durch Europa an und traf dort befreundete Dichter und Studienkollegen.

1827 wurde Wilhelm Hauff Redakteur des „Morgenblattes für gebildete Stände“, heiratete seine Cousine Luise und zog mit ihr nach Stuttgart. Acht Tage nach der Geburt seiner ersten Tochter starb er am 18. November 1827 an einem Nervenfieber, das er sich auf seinen Reisen zugezogen hatte.

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Johann Peter Hebel (1760-1826)

Der in Basel geborene Johann Peter Hebel verbrachte - abgesehen von einigen Reisen und Aufenthalten an anderen Orten - den größten Teil seines Lebens in Karlsruhe. Bis heute ist er berühmt unter anderem für seine Alemannischen Gedichte, die er in Mundart verfasste.

Johann Peter Hebel kam am 10. Mai 1760 als Sohn eines Webers und Dienstboten und dessen Frau in Basel zur Welt. Sein Vater verstarb bereits ein Jahr nach seiner Geburt, die Mutter während Hebels Schulzeit. Durch externe Förderungen konnte Hebel nach Abschluss der Schule dennoch ein Theologiestudium in Erlangen aufnehmen, erhielt darauf jedoch keine feste Anstellung als Theologe.

Nach Ende des Studiums arbeitete Johann Peter Hebel zunächst als Hauslehrer bei einem Pfarrer in Hertingen, 1783 erhielt er schließlich eine Anstellung als Lehrer am Pädagogium in Lörrach. Hier unterrichtete er Latein, Religion, Mathematik, Griechisch und Geographie. 1791 wechselte er an das Gymnasium in Karlsruhe und wurde Subdiakon der dortigen Hofkirche.

Literarische Tätigkeit

1802 begann Hebel seine Mitarbeit am Badischen Landkalender, 1803 erschienen die Alemannischen Gedichte, eine Sammlung von Lyrik, die er in alemannischer Mundart verfasst hatte. 1807 wurde Hebel Redakteur des Badischen Landkalenders (fortan unter dem Titel Rheinischer Hausfreund), ein Jahr später wurde er Direktor des Gymnasiums in Karlsruhe. 1811 erschien das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, eine Sammlung volktümlicher Anekdoten und Geschichten. Das Schatzkästlein enthält vor allem Beiträge Hebels aus dem Badischen Landkalender bzw. dem Rheinischen Hausfreund.

1814 beendete Hebel seine Tätigkeit als Direktor des Gymnasiums sowie seine Redaktionstätigkeit im Rheinischen Hausfreund. 1819 zog er als evangelischer Prälat in den badischen Landtag ein. Im Jahr 1824 gab er seine bekannten Biblischen Geschichten heraus. Noch im selben Jahr beendete er auch seine Lehrtätigkeit in Karlsruhe.

Johann Peter Hebel starb am 22. September 1826 infolge einer Krankheit, die er sich auf einer Dienstreise zugezogen hatte, in Schwetzingen.

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Hermann Hesse (1877 - 1962)

Hermann Hesse wurde am 2. Mai 1877 in Calw geboren. Die Erfahrungen mit der Stadt Calw beschrieb der junge Hermann Hesse in den Erzählungen Gerbersau. Trotz seiner Gelehrigkeit war Hermann Hesse ein schwieriger Schüler und temperamentvoller Jugendlicher, der nicht recht in das bürgerliche Milieu passen wollte, in das er hineingeboren wurde. Er floh aus dem theologischen Seminar in Maulbronn und wurde auf Grund depressiver Stimmungen von seinen Eltern in eine Nervenheilanstalt verwiesen. Nachdem Hesse mehrere Jahre in Buchhandlungen in Tübingen und Basel gearbeitet hatte, schaffte er mit seinem Roman Peter Camenzind, der von Samuel Fischer verlegt wurde, seinen Durchbruch und konnte fortan als freier Schriftsteller leben.

Hesse kritisierte nach Ausbruch des 1. Weltkriegs offen die nationalistischen Parolen deutscher Intellektueller. Nach einigen privaten Schicksalsschlägen zog er nach dem Ende des Krieges alleine nach Montagnola in Tessin, wo er bis zu seinem Tod 1962 lebte. Dort enstand auch sein erfolgreichster Roman: Der Steppenwolf (1927).

Literarische Tätigkeit

Hesse interessierte sich sehr für alternative Lebensformen, Aussteigerphilosophien und fernöstliche Mythologie. Diese Themen bewogen ihn zu ausgiebigen Reisen nach Indonesien und zu einem längeren Aufenthalt in Monte Verità, dem Wohnort einer Gruppe Kriegsverweigerer und Aussteiger unter der geistigen Führung Gusto Gräsers. Die Begegnung mit Gräser verarbeitete Hermann Hesse in seinem Roman Demian. Das Verhältnis eines Mentors, der seinen Schüler auf dem Weg der Selbstfindung begleitet, taucht als Motiv wiederholt in Hesses Dichtung auf.

Die Erzählung Siddhartha zeugt nachdrücklich von Hesses Interesse an Spiritualität und Mystik. Sowohl inhaltlich, wie auch nach Sprache und Stil kann der Roman Peter Camenzind als neoromantische Dichtung bezeichnet werden. Viele Werke des Schriftstellers tragen autobiografische Züge, insbesondere der Steppenwolf. Neben dem dichterischen Werk hinterlässt Hesse mehrere tausend Briefe und Rezensionen. 

Zeitlebens verband Hesse eine intensive Freundschaft mit Thomas Mann. Wie diesem, wurde auch Hermann Hesse im Jahr 1946 der Literaturnobelpreis verliehen. 

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Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Die meisten Werke Hölderlins wurden erst viele Jahre nach seinem Tod veröffentlicht und bekannt. Sein Leben war vor allem in der zweiten Hälfte gezeichnet durch sein psychisches Leiden.

Friedrich Hölderlin kam am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar zur Welt. Zunächst besuchte er die Lateinschule in Nürtingen, daraufhin bis 1788 die beiden evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn, bevor er sich für ein Studium der Theologie in Tübingen einschrieb. Dort schloss er Freundschaft mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, gemeinsam ließen sie sich von den Idealen der Französischen Revolution inspirieren.

Nach dem Studium wollte Hölderlin jedoch keinen geistlichen Beruf ausüben, da er lieber seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen wollte. Er nahm 1793 eine Stelle als Hauslehrer an, die ihm sein Freund und Förderer Friedrich von Schiller bei Charlotte von Kalb vermittelt hatte. Nach einigen Monaten zog er nach Jena, wo er unter anderem Goethe kennenlernte. 1796 trat er eine neue Anstellung als Hauslehrer in der Familie Gontard an, wo er sich in die Ehefrau Gontards verliebte. Nachdem Gontard dies erkannte, entließ er Hölderlin, welcher daraufhin zu seinem Freund Isaac von Sinclair nach Homburg reiste. Dort verweilte er bis 1800.

Jahre des psychischen Leidens

1801 nahm Friedrich Hölderlin für einige Monate eine Stelle als Hauslehrer in Hauptwil in der Schweiz an, daraufhin in Bordeaux. 1802 kehrte er nach Stuttgart zurück. Zu dieser Zeit litt er bereit unter ersten Erscheinungen seiner späteren psychischen Erkrankung. 1804 konnte Sinclair ihm zu einer Stelle als Hofbibliothekar des Landgrafen Friedrich V. vermitteln, für den Hölderlin unter anderem „Patmos“ verfasste. 1805 folgten Veröffentlichungen seiner Nachtgesänge.

Im Jahr 1806 wurde Friedrich Hölderlin aufgrund seines psychischen Leidens in das Tübinger Klinikum eingewiesen, wo er für unheilbar psychisch erkrankt erklärt wurde. Nach seiner Entlassung kam Hölderlin zur Pflege bei einer Tübinger Familie unter. Dort veröffentlichte er noch seine Sophokles-Übertragung, mehrere Gedichte und den Roman „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“. Wider Erwartungen der Ärzte lebte Hölderlin in Tübingen noch 36 Jahre, bevor er am 7. Juni 1843 dort verstarb.

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Eduard Mörike (1804-1875)

Eduard Mörike ist einer der bedeutendsten Dichter des 19. Jahrhunderts. Er veröffentlichte nicht nur Lyrik, sondern auch zahlreiche andere Schriften, unter anderem Novellen und Märchen.

Eduard Mörike kam am 8. September 1804 als siebtes von dreizehn Kindern in Ludwigsburg zur Welt. Mörike besuchte zunächst das Gymnasium in Ludwigsburg, nach dem Tod des Vaters 1817 siedelte er nach Stuttgart über. Er wurde von seinem Onkel versorgt und beendete in Stuttgart das Gymnasium, bevor er sich 1818 für ein Studium der Theologie in Urach einschrieb. 1822 wechselte er nach Tübingen über, 1826 konnte er sein Studium beenden. Nach Abschluss des Studiums war Mörike zunächst als Vikar in verschiedenen Orten tätig. 1829 verlobte er sich mit Luise Rau, die Verbindung wurde jedoch wenige Jahre später wieder gelöst.

Tätigkeit als Schriftsteller

Bereits Ende der 1820er Jahre erfolgten die ersten Veröffentlichungen von Mörikes Lyrik. 1832 erschien sein erster und einziger Roman, „Maler Nolten“. Ab 1834 war Eduard Mörike Pfarrer von Cleversulzbach, wo er mit Mutter und Schwester lebte. Jedoch war er gesundheitlich stark beeinträchtigt, woraufhin er 1843 beurlaubt wurde. Mit Ende seines Dienstes konzentrierte er sich ganz auf das Schreiben.

In den Folgejahren zog Mörike mehrmals um, unter anderem wohnte er in Bad Mergentheim, Schwäbisch Hall und Nürtingen, sein Hauptwohnort war allerdings Stuttgart. 1851 heiratete er Margarethe Speeth. In diesen Jahren veröffentlichte Mörike unter anderem „Idylle am Bodensee“, „Mozart auf der Reise nach Prag“ und mehrere Gedichte und Märchen. Außerdem verfolgte er eine Tätigkeit als Lehrer für Literatur am Katharinenstift in Bad Mergentheim.

Mörikes Literatur bewegt sich zwischen Romantik und Realismus und zeichnet sich vor allem durch ihre Musikalität aus. Seine Veröffentlichungen reichen dabei von Novellen über Lyrik bis hin zu Märchen und dem einzigen Roman „Maler Nolte“.

1873 trennte sich Eduard Mörike von seiner Frau Margarethe und zog mit einer der beiden Töchter wieder nach Stuttgart, wo er am 4. Juni 1875 krankheitsbedingt verstarb.

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Joseph Victor von Scheffel (1826 - 1886)

Joseph Victor von Scheffel wurde 1826 in Karlsruhe geboren. Sein Vater arbeitete als Ingenieur unter anderem zusammen mit Johann Gottfried Tulla an der Rheinbegradigung. Scheffel studierte Jura, Philologie und Literatur an den Universitäten Heidelberg, München und Berlin. Während seiner Studienzeit war er Mitglied verschiedener Burschenschaften. Auf das erfolgreiche Staatsexamen folgte 1849 die Promotion in der Rechtswissenschaft, jeweils in Heidelberg.

Nach wenigen Jahren der Tätigkeit als Jurist erlaubte es sein bürgerlicher Familienhintergrund alsbald zu Reisen. 1852 verschlug es ihn, wie seinen Dichterkollegen Goethe vor ihm, nach Rom, wo er endgültig seine Leidenschaft und seine Begabung zum Schreiben entdeckte.

Seit dem Jahr 1858 lebte und arbeitete er wieder in seiner Heimatstadt. Zu seinem 50. Geburtstag erhob ihn der Großherzog von Baden in den persönlichen Adelsstand. Er heiratete Caroline Freiin von Malsen, die Tochter eines bayerischen Gesandten am badischen Hof. 1867 wurde ihr Sohn Victor geboren. Die Ehe blieb verlief jedoch unglücklich und die Trennung folgte bald. Joseph Victor von Scheffel starb am 9. April 1886 in Karlsruhe und liegt dort auf dem Hauptfriedhof begraben. 

Literarische Tätigkeit

Noch zu Lebzeiten war der Joseph Victor von Scheffel mit einer breiten Leserschaft gesegnet. Das Wilhelminische Deutschland entdeckte sich in seinem Bedürfnis nach Sonderstellung und Abgrenzung zur europäisch-römischen Tradition in Scheffels Versen und Gedichten wieder. Der gekonnte Rekurs auf die humanistischen Bildungsquellen, die Antike und die Renaissance, und die gleichzeitig ironische Distanzierung von denselben, machten ihn zu einem beliebten Literaten für die gebildeten Schichten im Kaiserreich. Sein berühmter Versepos "Der Trompeter von Säckingen", der 1853 entstand, ist ein paradigmatisches Beispiel für Form und Inhalt seines Schaffens: 


    Römisch Recht, gedenk ich deiner,
    Liegts wie Alpdruck auf dem Herzen,
    Liegt's wie Mühlstein mir im Magen,
    Ist der Kopf wie brettvernagelt!
    …
    Sind verdammt wir immerdar, den
    Großen Knochen zu benagen,
    den als Abfall ihres Mahles
    uns die Römer hingeworfen?
    Soll nicht aus der deutschen Erde
    Eignen Rechtes Blum' entsprossen,
    Waldes duftig, schlicht, kein üppig
    Wuchernd Schlinggewächs des Südens?
    Traurig Los der Epigonen!
    Müssen sitzen, müssen schwitzen,
    Hin und her die Fäden zerren,
    eines wüstverschlungnen Knäuels,
    Gibts's kein Schwert und andre Lösung?

 

 Der Trompeter von Säckingen hoch zu Ross am Rheinufer

"Der Trompeter von Säckingen hoch zu Ross am Rheinufer", anonym, datiert 1896

Wie viele Werke des 19. Jahrhunderts ist auch das Scheffels von einem latenten Nationalismus durchzogen. Die Metapher vom bildungsbeflissenen und treuen Deutschen traf das Selbstverständnis vieler seiner Landsleute passgenau und trugen somit wesentlich zu seiner Popularität bei der zeitgenössischen Leserschaft bei. Gleichsam wirkte in umgekehrter Richtung Scheffels Literatur zweifellos konturierend auf das Selbstbild der Deutschen in jenen Jahren.

Weitere bekannte Werke Scheffels sind der frühe Roman "Ekkehard" (1855), der sich an die Lebensgeschichte eines St. Gallener Mönchs anlehnt, das "Frankenlied" von 1859, das gerne auch als die inoffizielle Hymne der Franken bezeichnet wird, sowie der Gedichtzyklus "Waldeinsamkeit" (1880), der durch die Landschaftsmalereien Julius Ma?áks inspiriert wurde. 

1891 gründete der Philologe und Schriftsteller Joseph Stöcklein Schwetzingen den Scheffelbund, die bis heute größte literarische Vereinigung Deutschlands mit Sitz in Karlsruhe. Der Scheffelbund verleiht alljährlich einen nach dem Dichter benannten Preis für herausragende Leistungen im Fach Deutsch an Gymnasialschüler. Der Bund verwaltet den Nachlass des Dichters. Ein Teil davon befindet sich in der Badischen Landesbibliothek.

Werke Scheffels bei Projekt Gutenberg

Digitalisierte Briefe Scheffels bei der Badischen Landesbibliothek

Das Badnerlied

Das Badnerlied enthält eine Zeile des "Trompeters von Säckingen" von Joseph Victor von Scheffel.

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Friedrich Schiller (1759-1827)

Neben Goethe ist der Name Schillers einer der beiden wohl bekanntesten Namen deutscher Literaturgeschichte. Gemeinsam mit Goethe prägte er die Weimarer Klassik. Seine Werke erfreuen sich bis heute höchster Bekanntheit und Beliebtheit.

Johann Christoph Friedrich Schiller wurde am 10. November 1759 als jüngeres von zwei Kindern in Marbach am Neckar geboren. Nach dem Elementarunterricht bei einem Pfarrer in Lorch und dem Umzug der Familie nach Ludwigsburg besuchte er dort die Lateinschule. Bereits 1772 versuchte sich Schiller an seinen ersten Trauerspielen („Die Christen und Absalom“), die jedoch nicht überliefert sind.

1773 trat er auf Wunsch des Herzogs in die Militärakademie ein, wo er zunächst Jura und später Medizin studierte. Heimlich las Schiller damals Shakespeare, Rousseau und Klopstock und arbeitete an den ersten Szenen seiner „Räuber“. Seine erste Dissertation im Jahr 1779 wurde vom Herzog abgelehnt und Schiller musste eine Neufassung einreichen, bevor er 1780 sein Studium an der Militärakademie abschließen konnte und Militärarzt wurde.

Entstehung siner berühmtesten Werke

Schillers Stück „Die Räuber“, inzwischen für das Theater umgeschrieben und anonym veröffentlicht, wurde 1782 erstmals am Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt und hatte großen Erfolg. Wegen seiner Anwesenheit bei der Aufführung und einer weiteren unerlaubten Reise nach Mannheim ließ der Herzog Schiller verhaften und verbot ihm jegliche weitere dichterische Betätigung. Schiller floh daraufhin aus der Garnison und fand auf Umwegen 1783 schließlich eine Unterkunft bei Henriette von Wolzogen. In dieser Zeit stellte Schiller das spätere „Kabale und Liebe“ fertig.

Friedrich von Schiller verliebte sich unglücklich in Charlotte von Wolzogen und reiste daraufhin nach Mannheim, wo er schwer erkrankte. Während seiner Zeit in Mannheim verliebte sich Schiller erneut unglücklich, diesmal in Charlotte von Kalb. 1788 reiste Schiller erstmals nach Jena, wo er Goethe kennenlernte. Auf dessen Rat wurde er für eine Geschichtsprofessur an die dortige Universität berufen und hielt seine heute bekannte Vorlesung „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“

1789 verlobte sich Friedrich von Schiller mit Charlotte von Lengefeld, die er ein Jahr später heiratete. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. 1791 erkrankte Friedrich Schiller an einer Lungen- und Rippenfellentzündung, von der er sich nie richtig erholen sollte. Ein Jahr darauf nahm er eine intensive Auseinandersetzung mit den Arbeiten Kants auf, die großen Einfluss auf ihn hatten. Im Jahr 1794 intensivierte sich die Freundschaft zu Goethe und Schiller begründete die literarische Zeitschrift „Die Horen“. 1796 erschien der Musenalmanach. Die Jahre waren geprägt von mehrmaligen Umzügen und Schillers Krankheit. Dennoch war Schiller stets literarisch tätig. Unter anderem entstanden „Wallenstein“, „Don Juan“ und „Die Jungfrau von Orleans“.

Nach der Fertigstellung von „Wilhelm Tell“ 1804 begann Schiller die Arbeiten zu „Demetrius“. Jedoch erkrankte er erneut schwer und starb schließlich am 9. Mai 1805 in Weimar.

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Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)

Getreu dem Motto: „Es gehört mehr Geist dazu, sich in die Freiheit, als in die Sclaverei zu schicken“  war Christian Friedrich Daniel Schubart in seinem turbulenten und rebellischen Lebenswandel ein ebenso zwiespältiger und wechselhafter wie auch gedanklich freier und unbequemer Dichter, Journalist, Klaviervirtuose und Komponist. Neben seinen musikalischen Werken veröffentlichte er zahlreiche politische und gesellschaftskritische Schriften – und zeigte sich als mutiger, volksnaher und aufsässiger Kritiker absolutistischer Herrschaft. Seinen Einsatz für gesellschaftliche und religiöse Gerechtigkeit fasste er in die Worte: „Weise Gesetze und eisernes unbeugsames Ausharren bei diesen Gesetzen sind […] das in einem Staate, was das gute Gewissen beim einzelnen Menschen ist.“

Christian Friedrich Daniel Schubart wurde am 24. März 1739 in Obersontheim im heutigen Landkreis Schwäbisch Hall geboren. Schon als Kind trotzte er gegen die Glaubenstrenge seiner Eltern an. Sein Aufstand gegen Konventionen jeder Art ging aber auch schon früh mit immer wieder aufblitzendem Fleiß und unverkennbarer Genialität einher. Von seinem Vater zum Studium nach Jena geschickt, blieb er in Erlangen hängen und studierte dort Theologie. Ausschweifungen und Verschuldung führten bald zu einer ersten, vierwöchigen Karzerhaft. Zwischenzeitlich von seinen Eltern nach Hause zurückgerufen, arbeitete Schubart seit Mitte der 1760er Jahre als Lehrer und Organist in Geislingen an der Steige.

Antiklerikale und -aristokratische Kritik

1769 wechselte er als Musikdirektor an den württembergischen Hof nach Ludwigsburg. Ein hemmungsloser Lebenswandel, gepaart mit rebellenhafter Respektlosigkeit und scharfer Kritik an Aristokratie und Klerus brachten ihn auch hier rasch in Verruf, schließlich erneut ins Gefängnis. Nach satirischer Polemik gegen ein Mitglied des Herrscherhauses wurde er gar des Landes verwiesen – und reiste eine Zeit lang als mittelloser Musikant und Lebemann durch Südwestdeutschland.

Mitte der 1770er Jahre ließ sich Schubart dann als Herausgeber und Autor der gesellschaftskritischen »Deutschen Chronik« in Augsburg nieder. Als das Blatt vom Augsburger Magistrat verboten wurde, übersiedelte er nach Ulm, wo er seine Zeitschrift zu einer zentralen Instanz freiheitlichen, antiklerikalen und antiabsolutistischen Denkens ausbaute. Auf herzogliches Geheiß wurde er daraufhin später nach Württemberg gelockt, verhaftet und insgesamt zehn Jahre lang auf der Bergfestung Hohenasperg bei Ludwigsburg eingekerkert.

Körperlich und seelisch gebrochen, setzte Schubart seine Arbeit als politischer Schriftsteller und Journalist zwar auch nach seiner Entlassung fort – fand aber nie zu der Schärfe und Widersetzlichkeit früherer Tage zurück. Seinen Lebensabend verbrachte er als Musik- und Theaterdirektor in Stuttgart, wo er am 10. Oktober 1791 starb.

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Joannes Baptista Sproll (1870-1949)

In seiner insgesamt 22-jährigen Amtszeit als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart machte sich der katholische Geistliche Joannes Baptista Sproll in besonderem Maße als Gegner und Kritiker des NS-Regimes verdient: Angesichts seines offenen Kampfes gegen die nationalsozialistische Politik wurde er früh Zielpunkt regimeseitigen Drucks – und schließlich im Zusammenhang gewaltsamer Agitationen aus seiner Diözese vertrieben. Schon im März 1935 hatte Sproll in einer Predigt im Weingartener Münster ausgerufen: „Die heftigsten Gegner des Christentums dürfen in aller Öffentlichkeit reden; die Verteidiger werden in ihrer Redefreiheit beschränkt. […] Da kann für uns nur die Parole gelten: Gott und Christus und Kirche! Wir stehen in Treue fest zu dem, was wir unser Leben lang geglaubt und bekannt haben. Und wo wir den Geist des Antichristentums verspüren, da sind wir nicht dabei.“

Joannes Baptista Sproll wurde am 2. Oktober 1870 in Schweinhausen bei Biberach an der Riß geboren. Nach dem Abitur studierte er katholische Theologie – und wurde 1895 in Rottenburg zum Priester geweiht. Danach war er zunächst mehrere Jahre lang als Pfarrer im Umkreis von Ehningen tätig, 1913 wurde er Generalvikar. Schon zu dieser Zeit engagierte er sich aktiv in der karitativen Vereinsarbeit und der katholischen Jugenderziehung.

Offene Kritik am Nationalsozialismus

Im Nachfeld des Ersten Weltkrieges wurde Sproll als Abgeordneter des Zentrums in die Verfassunggebende Landesversammlung Württembergs gewählt. In der Zwischenzeit hatte er auch seinen kirchlichen Aufstieg weiterverfolgt – und wurde letztlich im Sommer 1927 als Bischof der Diözese Rottenburg eingesetzt. Früh hatte er erkannt, dass sich die Ziele des Nationalsozialismus nicht mit christlichen Werten vereinbaren ließen: Mutig und offen predigte er daher gegen die Nationalsozialisten an – und bezeichnete die NS-Ideologie als eine „Religion des Blutes und der Rasse“ , in deren Angesicht man keineswegs schweigen dürfe: „Täten wir das, dann wären wir keine wachsamen Hirten, sondern schlafende Wächter.“

Derartige Äußerungen brachten Sproll trotz seiner besonderen Stellung als Bischof bald zunehmend in Bedrängnis. Schließlich nahmen die Nationalsozialisten sein demonstratives Fernbleiben von der Volksabstimmung über die Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich zum Anlass, um ihn offen anzugreifen und mit Hausdurchsuchungen und gewaltsamen Demonstrationen unter Druck zu setzen. Im August 1938 musste Sproll aus seiner Diözese fliehen.

Erst nach Ende des Kriegs konnte er wieder nach Rottenburg zurückkehren – und starb dort am 4. März 1949.

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Ludwig Uhland (1787-1862)

Als einer der bedeutendsten Vertreter der „schwäbischen Schule“ war Ludwig Uhland nicht nur als Dichter bekannt, sondern auch als Rechtsanwalt und auf politischer Ebene im württembergischen Landtag tätig.

Ludwig Uhland kam am 26. April 1787 in Tübingen als dritter Sohn Johann Friedrich Uhlands und dessen Frau Rosine zur Welt. Nach dem Besuch der Lateinschule nahm er ein Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen auf, das er 1808 beendete und 1810 mit einem Doktor erweiterte. Bereits während seines Studiums beschäftigte sich Uhland mit Literatur und Poesie. Während einer Reise nach Paris zwischen 1810 und 1811 setzte er sich mit altdeutschen und altfranzösischen Manuskripten auseinander und wohnte Verhandlungen im Justizpalast bei. Nach seiner Rückkehr nahm er die Stelle eines Staatssekretärs im Finanzministerium in Stuttgart an, bevor er 1814 als Rechtsanwalt der Stuttgarter Kanzlei eines seiner Freunde tätig wurde.

Literarische und politische Tätigkeit

1815 erschien seine erste Gedichtsammlung. Im selben Jahr beteiligte sich Ludwig Uhland aktiv als Sprecher der landständischen Opposition an den Diskussionen im württembergischen Verfassungsstreit, 1819 wurde er Mitglied der verfassungsgebenden Ständeversammlung. Ab 1820 war Uhland Abgeordneter Tübingens im Landtag, im gleichen Jahr heiratete er Emilie Vischer.

1829 widmete sich Uhland wieder seiner Leidenschaft für Literatur, als er zum außerordentlichen Professor für Sprache und Literatur der Universität Tübingen ernannt wurde. Drei Jahre später wechselte er mit seiner erneuten Wahl in den Landtag jedoch wieder in die aktive Politik. 1838 verzichtete Uhland schließlich nach vielen Enttäuschungen auf eine Wiederwahl und arbeitete fortan als Privatlehrer in Tübingen.

1844 erschienen die beiden Bände „Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder mit Abhandlungen und Anmerkungen“. In den Folgejahren beschäftigte sich Uhland ganz mit der Literaturwissenschaft. Erst 1848 kehrte er in die Politik zurück. Als Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung arbeitete er an der Paulskirchenverfassung mit. Nach dem Scheitern der Märzrevolution kehrte Uhland nach Tübingen zurück, wo er am 13. November 1862 schließlich starb.

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