Landeskunde Baden-Württemberg

 

Wissenschaftler

Der deutsche Südwesten hat auch in der Vergangenheit eine Vielzahl bedeutender Wissenschaftler hervorgebracht. An dieser Stelle stellen wir Ihnen einige vor. 

Albrecht Berblinger (1770 - 1829)

Albrecht Ludwig Berblinger wurde am 24. Juni 1770 in Ulm geboren. Er wuchs als siebtes Kind eines Amtsknechts in ärmlichen Verhältnissen auf. Offenbar kam er über den Beruf des Vater, der im städtischen Zeughaus arbeitete, mit Modellen und mechanischen Gerätschaften aller Art in Kontakt, was den Jungen wohl nachhaltig inspirierte. Als der Vater des Dreizehnjährigen starb, wurde er in ein Waisenhaus verbracht. Seinem Willen entgegen, begann Berblinger bald darauf eine Schneiderlehre, die er bereits mit 21 Jahren als Meister beendete.

Berblinger heiratete 1792 Anna Scheiffelin. Erfolgreich betrieb er in den kommenden Jahren einen Schneidereibetrieb. Er stellte mehrere Gesellen an und konnte sich gegenüber der Konkurrenz behaupten. 1794 erwarb er ein Haus im Ulmer Fischerviertel. 

Trotz des Erfolgs: das ungeliebte Handwerk konnte Berblinger nicht befriedigen. Er begann mit Hilfe seiner Brüder verschiedene Geräte zu konstruieren. So entwarf er unter anderem Prothesen, die von den Ulmer Fachärzten geschätzt und gelobt wurden. Die erhoffte Unterstützung des bayerischen Staatsministers blieb ihm allerdings versagt, worauf er sich dem Bau einer "Flugmaschine" widmete.

Sturz in die Donau am 31. Mai 1811

Berblingers Ziel war es - anders als sein Vorbild Jakob Degen - von einem erhöhten Standpunkt aus hinab zu gleiten. Jahrelang arbeitete er am Hängegleiter, bis ihm der erste Gleitflug der Geschichte glückte. Augenzeugen berichteten wie Berblinger vom Ulmer Michelsberg von Gartenhaus zu Gartenhaus hüpfte.

Der Besuch des württembergischen Königs Friedrich I. bot die Gelegenheit seine Flugkünste zu demonstrieren und um nach weiterer finanzieller Unterstützung für sein Projekt zu ersuchen. Wohlwissend, dass er für den Flug über die vierzig Meter breite Donau eine Absprunghöhe von mindestens zwanzig Metern benötigte, lies Berblinger auf der Abteimauer über der Donau ein sieben Meter hohes Holzgerüst errichten. Verunsichert von den unvorhergesehenen Bedingungen und Winden am Absprungort, drängte Berblinger darauf, den Termin um einen Tag zu verschieben. Friedrich I. wollte darauf nicht warten. Er verließ Ulm. Berblingers Schmach konnte dadurch kaum gemildert werden. Um eine Stunde verzögert, sprang er am 31. Mai gegen 17 Uhr von der Mauer der Bastei. Unter dem Gelächter der Massen zog man ihn kurz danach aus der Donau.

Für Albrecht Berblinger bedeutete dies das Ende seines gewohnten Lebens. Er trank und verlor den gesellschaftlichen Halt. Einsam und verarmt starb Albrecht Berblinger am 28. Januar 1829 in einem Ulmer Hospital.

Erst lange nach seinem Tod beschäftigten sich andere Flugpioniere mit seinem Werk. Die Geschichte des fliegenden Schneiders wurde von Dichtern (u.a. Brecht und Eyth) und Filmemachern verarbeitet. Ulm gedenkt seit 1986 mit einem Flugwettbewerb dem berühmten Sohn der Stadt.

Infos: Seite der Stadt Ulm zum Berblinger Jubiläums-Jahr

Nach oben

Theodor Eschenburg (1904-1999)

„Der mündige Bürger fällt nicht vom Himmel“  – in konsequenter Verfolgung dieser Grundüberzeugung leistete Theodor Eschenburg einen wichtigen Beitrag zur kritischen Reflexion und breitenwirksamen Festigung des demokratischen Wiederaufbaus nach 1945.

Als Pionier der deutschen Politikwissenschaft und medienwirksamer »Lehrer der Republik« war er nicht nur Verfasser grundlegender Werke zur Demokratietheorie, sondern auch kritischer Beobachter, Berater und Kommentator der praktischen deutschen Nachkriegspolitik.
Eschenburgs Einsicht, dass die „Demokratie mit ihrem komplizierten System einfach gelernt werden“ müsse und es daher gelte, eine Art „Fahrschule für Politik“ zu etablieren, in deren Rahmen „Institutionen, Kompetenzen und Verfahren […] verständlich gemacht werden“  müssten, wurde zu einer Grundmotivation politischer Bildungsarbeit in Deutschland.

Am 24. Oktober 1904 in Kiel geboren, studierte Eschenburg Geschichte und Staatswissenschaften in Tübingen und Berlin. Nach dem Studium erlangte er als Mitglied der DVP sowie als enger Mitarbeiter Gustav Stresemanns praktische Einsichten in die Funktionsweisen der Weimarer Politik.

Politische Laufbahn

Im Laufe des Jahres 1933 wurde er im Interesse seiner beruflichen Absicherung – er arbeitete zu dieser Zeit als Verbandsvertreter in der Wirtschaft – Mitglied der Motor-SS. Bereits kurz darauf trat er jedoch wieder aus und vermied fortan jede unerzwungene Anpassung an das NS-Regime. Nach Kriegsende war er als Flüchtlingskommissar in Württemberg-Hohenzollern tätig und wirkte bei der Gründung des vereinten Südweststaates mit.

1952 wurde Eschenburg auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Wissenschaftliche Politik in Tübingen berufen. Seine besondere Begabung zur klaren und anschaulichen Ausdrucksweise machte ihn schon bald auch über die Universitätsgrenzen hinaus bekannt: Er tat sich durch eine ausgedehnte Vortragstätigkeit hervor, veröffentlichte regelmäßige politische Kommentare in der ZEIT und zeichnete sich durch eine allgemeine Präsenz in den Medien aus. Eschenburg hatte auf diese Weise nicht nur maßgeblichen Anteil an der Begründung der Politikwissenschaft als universitärer Disziplin, sondern auch breitenwirksamen Einfluss auf die Herausbildung einer politisch-demokratischen Kultur in Deutschland.

Er starb am 10. Juli 1999 in Tübingen.

Nach oben

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

Als einer der bekanntesten Denker des deutschen Idealismus prägte Hegel maßgeblich die Philosophiegeschichte. Seine komplexen Werke sind weltbekannt und Teil jedes Philosophiestudiums. Das hegelsche Denken beeinflusste auch spätere Philosophen wie Marx, Engels und Nietzsche.

Georg Friedrich Wilhelm Hegel kam am 27. August 1770 in Stuttgart zur Welt. Nachdem er die deutsche und später auch die lateinische Schule besucht hatte, erlangte er seinen Abschluss auf dem „Gymnasium illustre“, ebenfalls in Stuttgart. 1788 nahm er das Studium der Philologie, Mathematik und Philosophie am Tübinger Stift auf. 1790 begann er außerdem ein Theologiestudium. Während seiner Studienzeit lernte Hegel Friedrich Hölderlin und Friedrich Wilhelm Schelling kennen, mit denen ihn eine langjährige Freundschaft verbinden sollte. Die drei Freunde interessierten sich in gleichem Maße für die Französische Revolution und die Philosophie Jean-Jacques Rousseaus.

Nach Ende seines Studiums arbeitete Hegel zunächst als Hauslehrer und verfasste erste philosophische Schriften. Als 1799 sein Vater starb, ermöglichte das Erbe Hegel finanzielle Unabhängigkeit, und er konnte sich ganz der Philosophie widmen. 1801 habilitierte sich Hegel an der Universität Jena, 1805 wurde er Professor für Philosophie. In Jena lernte er Johann Gottlieb Fichte kennen, mit dessen philosophischem Werk er sich ebenfalls auseinandersetzte.

Entwicklung der philosophischen Hauptwerke

Im Jahr 1806, als das preußische Reich zerfiel, stellte Hegel eine seiner bekanntesten Schriften, die „Phänomenologie des Geistes“ fertig. Ein Jahr später zog er nach Bamberg, wo er für kurze Zeit als Redakteur der „Bamberger Zeitung“ arbeitete, bevor er 1808 nach Nürnberg ging, um das Ägidyengymnasium zu leiten. In den Folgejahren erschienen die drei Bände seiner „Wissenschaft der Logik“.

1816 nahm Hegel einen Ruf zur Professur an der Universität Heidelberg an. Dort entstand die „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“. 1818 folgte der Philosoph dem Ruf an die Universität Berlin als Nachfolger Fichtes, wo er bis 1830 die Vorlesung „Über die Philosophie der Weltgeschichte“ hielt.

Am 14. November 1831 starb Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Berlin.

Nach oben

Max Weber (1864-1920)

Max Weber gilt als Begründer der modernen Sozialwissenschaften. Er trug maßgeblich zur Unabhängigkeit der Sozialwissenschaft von den anderen universitären Disziplinen bei und beeinflusste das heutige Verständnis der Sozialwissenschaften maßgeblich.

Max Weber kam am 21. April 1864 als Sohn eines Juristen in Erfurt zur Welt. Nach dem Abitur studierte Weber in verschiedenen Städten Nationalökonomie, Geschichte, Philosophie und Jura. 1889 schloss er seine Promotion ab, 1892 folgte die Habilitation in Berlin. Im Jahr 1893 heiratete er Marianne Schnitger, die später als Frauenrechtlerin und Soziologin bekannt werden sollte.

In den Folgejahren lehrte Max Weber zunächst in Freiburg, dann in Heidelberg. Aufgrund einer psychischen Erkrankung musste er Ende der 1890er Jahre die Lehrtätigkeit für einige Zeit unterbrechen und bereiste Europa und die USA. Nach dieser Zeit begann sich seine sozialpolitische Theorie zu entwickeln.

Grundlagen der modernen Sozialwissenschaft

Max Weber wollte die Sozialwissenschaft als eine von Geistes- und Naturwissenschaften  unabhängige Disziplin begründen und legte mit seinem Postulat der Wertfreiheit der Wissenschaft eine wichtige Grundlage heutiger Sozialwissenschaften. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen unter anderem Schriften wie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ und vor allem sein Hauptwerk „Wirtschaft und Gesellschaft“, das 1922 posthum veröffentlicht wurde.

Weber war 1909 Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“ als auch der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Auch an der Vorbereitung der Weimarer Verfassung war Weber beteiligt. Zwischenzeitlich war er über einen kurzen Zeitraum an der Universität Wien tätig, bevor er 1919 als Sachverständiger der deutschen Delegation bei der Konferenz zum Versailler Vertrag nach München berufen.

Er starb am 14. Juli 1920 in München.

Nach oben