Landeskunde Baden-Württemberg

 

Personen aus der Wissenschaft

Baden-Württemberg gilt immer wieder als Land der Erfinder und Tüftler. Zu diesem Ruf tragen unter anderem folgende Personen bei:

Gerhard Ertl

Geboren wurde Gerhard Ertl am 10. Oktober 1936 in Bad Canstatt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder sowie drei Enkel.

Beruflicher Werdegang

Nach dem Abitur am Johannes-Kepler-Gymnasium in Bad Cannstatt studierte er im Anschluss daran bis 1961 Physik an der Universität Stuttgart. 1965 wurde Ertl mit einer Dissertation auf dem Gebiet der physikalischen Chemie an der TU München promoviert. Nach der ebenfalls in München erfolgten Habilitation erhält er einen Ruf der Universität Hannover und wurde Leiter des dortigen Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie. Nach akademischen Stationen an der LMU in München und verschiedenen Gastprofessuren in den Vereinigten Staaten war Gerhard Ertl von 1986 bis 2004 Direktor der Abteilung Physikalische Chemie des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin.

Wissenschaftliche Verdienste

Ertl setzte seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt auf das Studium elementarer Schritte von chemischen Oberflächenreaktionen und der Struktur von Adsorbaten. 1982 gelang es ihm Diffusionsprozesse sichtbar zu machen. Im Jahr 2007, am Tag seines 71. Geburtstages, wurde ihm vom Nobelkomitee in Stockholm der Nobelpreis für Chemie für seine "Studien von chemischen Prozessen auf Festkörperoberflächen" zuerkannt. Dem Nobelkomitte zufolge sind die Forschungen Ertls für die chemische Industrie bedeutend, da sie Vorgänge wie das Rosten von Eisen und die Arbeitsweise von Brennstoffzellen oder Katalysatoren in Autos verständlich machen. Zusammen mit Helmut Knözinger und Jens Weitkamp ist er Herausgeber der fünfbändigen Enzyklopädie " Heterogene Katalyse".

Gerhard Ertl wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Verdienstmedaille Baden-Württemberg geehrt.

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Theodor Hänsch

Theodor Wolfgang Hänsch wurde am 30. Oktober 1941 in Heidelberg geboren.

Beruflicher Werdegang

Seine Ausbildung begann Theodor Hänsch am Helmholtz-Gymnasium in Heidelberg. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Heidelberg und promovierte 1969 "Zur Wechselwirkung zweier Laser-Lichtfelder mit angeregten Neon-Atomen".

Danach wechselte er über ein Stipendium in die USA nach Stanford und wurde dort 1975 Professor. 1986 ging er zurück nach Deutschland an die Ludwig-Maximilians Universität München, wo er ein neues Labor für Laserspektroskopie am Max-Planck Institut in Garching etablierte. Derzeit ist Hänsch Direktor des Instituts.

Wissenschaftliche Verdienste

Zu seinen Tätigkeitsbereichen gehörten seit Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn die experimentelle Laserphysik und Quantenoptik. Der Frequenzkamm ist eine seiner wichtigsten Forschungsarbeiten. Damit lässt sich die Frequenz von Licht sehr exakt messen. 2005 erhielt Theodor Hänsch zusammen mit dem US-Amerikaner John Hall einen der beiden Nobelpreise für Physik für ihre Leistungen im Bereich Laserspektroskopie. Hall und Hänsch war es gelungen, Laserfrequenzen mit einer Genauigkeit von 15 Stellen zu messen und so sehr schmalbandige Laserstrahlen zu erzeugen.

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Wolfgang Ketterle

Wolfgang Ketterle wurde 1957 in Heidelberg geboren. Er ist geschieden und hat drei Kinder.

Beruflicher Werdegang

Wolfgang Ketterle studierte von 1976 bis 1982 Physik an der Universität Heidelberg  und an der TU München. Nach dem Diplom an der TU München und der Promotion 1986 forschte Wolfgang Ketterle am Max-Planck Institut für Quantenoptik in Garching und an der Universität Heidelberg im Bereich Verbrennungsmotoren.

1990 wechselte er in die Vereinigten Staaten an das Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Assistenzprofessor und Professor arbeitete. Seit 1998 hat Ketterle am MIT den John D. MacArthur-Lehrstuhl für Physik inne.

Wissenschaftliche Verdienste

Wolfang Ketterle beschäftigt sich in der Forschung mit Atomphysik und Laserspektroskopie und gehört auf diesem Gebiet zu den führenden Wissenschaftlern. Mit seiner Promotion über die "Spektroskopie am Heliumhydrid und am dreiatomigen Wasserstoff-Molekül" konnte er die Fachwelt beeindrucken. Sein wissenschaftlicher Durchbruch gelang ihm 1995. Er war einer der Ersten, dem es gelungen ist ein Bose-Einstein-Kondensat zu erzeugen. Zusammen mit Eric A. Cornell und Carl E. Wieman erhielt er für die Forschungen zur Bose-Einstein-Kondensation den Nobelpreis für Physik 2001.

Ketterle ist Träger zahlreicher Preise und Auszeichnungen, darunter der Rabi Preis der APS sowie die Benjamin Franklin Medaille in Physik.

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Hartmut Michel

Hartmut Michel kam am 18. Juli 1948 in Ludwigsburg zur Welt. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

Beruflicher Werdegang

Im Anschluss an das Studium der Biochemie in Tübingen wurde Hartmut Michel 1977 an der Universität Würzburg promoviert. Die Habilitation erfolgte 1986 an der Universität München. 1987 wurde er Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysik in Fankfurt/Main und leitete dort die Abteilung für Molekulare Membranbiologie.

Wissenschaftliche Verdienste

Michel erhielt 1988 zusammen mit Johann Deisenhofer und Robert Huber den Nobelpreis für Chemie für die Erforschung der dreidimensionalen Molekül-struktur des Reaktionszentrums der Photosynthese im Purpurbakterium. Die Kristallisation des photosynthetischen Reaktionszentrums des Purpurbakte-riums gelang ihm bereits 1982 und damit schuf er die Grundlage für eine Kristallstrukturanalyse der Molekülstruktur. Mit dieser Entdeckung konnte erstmals der atomare Feinbau des photosyntetisch aktiven Komplexes gezeigt werden.

Neben dem Nobelpreis ist Hartmut Michel Träger anderer wichtiger Auszeichnungen, wie etwa dem Gottfried-Wilhelm-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der ihm 1986 verliehen wurde. 1989 erhielt Michel die Verdienstmedaille des Landes Baden

Er ist zudem Mitglied im Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Länder zur Fragen der Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung berät.

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Christiane Nüsslein-Volhard

Christiane Nüsslein-Volhard wurde am 20. Oktober 1942 in Heyrothsberge bei Magdeburg geboren. Sie lebt in Tübingen.

Beruflicher Werdegang

Nach dem Studium der Biochemie in Frankfurt am Main und Tübingen wurde Christiane Nüsslein-Volhard 1973 in Genetik promoviert. Als Post-Doktorandin forschte und arbeitete sie anschließend in Basel und Freiburg, war Gruppenleiterin am Europäischen Labor für Molekularbiologie in Heidelberg sowie am Friedrich-Miescher Laboratorium der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in Tübingen. Seit 1985 ist sie wissenschaftliches Mitlied der MPG und Direktorin am Tübinger Institut für Entwicklungsbiologie.

Wissenschaftliche Verdienste

Ihre Forschungen befassen sich mit der genetischen und molekularen Analyse der embryonalen Entwicklung bei Tieren, insbesondere der Fliege Drosophila melanogaster, sowie dem Zebrafisch. Für ihre Entdeckungen von Genen, die die Entwicklung von Tier und Mensch steuern, sowie den Nachweis von gestaltbildenden Gradienten im Fliegenembryo hat sie zahlreiche Auszeichnungen, Ehrendoktorate und Preise erhalten, unter anderem den Leibnitzpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im Jahr 1995 erhielt sie zusammen mit Eric F. Wieschaus und Edward B. Lewis den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

1998 war Christiane Nüsslein-Volhard Mitbegründerin der Artemis Pharmaceuticals GmbH, einer Biotechnologie-Firma, die gentechnisch hergestellten Medikamente entwickelt. Seit 2001 ist Christiane Nüsslein-Volhard zudem Mitglied im Nationalen Ethikrat. 2004 gründete sie die "Christiane Nüsslein-Vollhard-Stiftung", die jungen und begabten Wissenschaftlerinnen die Kinderbetreuung durch finanzielle Zuschüsse erleichtern soll.
 

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Peter Sloterdijk

Peter Sloterdijk ist ein deutscher Philosoph, Fernsehmoderator und Buchautor. Er wurde am 26. Juni 1947 in Karlsruhe geboren. 

Beruflicher Werdegang

Sloterdijk studierte von 1968 bis 1974 Philosophie, Geschichte und Germanistik in München und Hamburg. Seine Magisterarbeit von 1971 trägt den Titel "Strukturalismus als poetische Hermeneutik". In dieser frühen Phase seines Schaffens setzte sich Sloterdijk intensiv mit den französischen Philosophen des Strukturalimus auseinander. Seine Dissertation "Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918-1933" erschien 1976. 

Seit den 1980er Jahren arbeitet Sloterdijk als freier Schriftsteller. Nach verschiedenen Dozenturen für Poetik, Philosophie und Ästhetik unter anderem in Frankfurt am Main, Karlsruhe und Wien übernahm er 1993 die Leitung des Institutes für Kulturphilosophie an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 2001 trat er die Nachfolge von Heinrich Klotz als Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe an. Er hat dort die Professur für Philosophie und Ästhetik inne.

Von 2002 bis 2012 moderierte er – zusammen mit Rüdiger Safranski – die Gesprächsrunde "Das Philosophische Quartett" im ZDF.

Werk und Kontroversen

Sloterdijk veröffentlichte zahlreiche Bücher und Essays zu philosophischen, religiösen, kulturellen und politischen Themen. Eines seiner bekanntesten Werke ist die "Kritik der zynischen Vernunft", die 1983 veröffentlicht wurde. Der erste Band seines Opus Magnum, die "Sphären"-Trilogie, erschien 1998. Eine hitzige öffentliche Debatte löste eine Rede aus, die er 1999 im Schloss Elmenau hielt und die noch im selben Jahr unter dem Titel "Regeln für den Menschenpark" veröffentlicht wurde. Thomas Assheuer warf dem Philosophen Selektionsfantasien vor und zeihte ihn eines fürchterlichen Realismus über das Potential der heutigen Gentechnik (Die Zeit, 02.09.1999). Sloterdijk nahm öffentlich zu den Vorwürfen Assheuers und anderer Philosophen Stellung (Die Zeit, 09.09.1999). 

Eine weitere Kontroverse löste er mit einem unter dem Titel Die Revolution der gebenden Hand in der FAZ veröffentlichten Text über den Fiskalstaat der Gegenwart aus. Er bezeichnete darin das gegenwärtige Finanzsystem als einen „Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage“, wobei er für eine „Abschaffung der Zwangssteuern und zu deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit“ plädierte. Die Philosophen Lutz Wingert und Axel Honneth übten heftige Kritik an dieser Auffassung. 

Sloterdijk ist einer der medienwirksamsten Philosphen Deutschlands. Für sein essayistisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, unter anderem den Cicero-Rednerpreis, den Lessing-Preis für Kritik und den Ludwig-Börne-Preis.

Peter Sloterdijk lebt mit seiner Familie in Karlsruhe.

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Klaus von Klitzing

Klaus-Olaf von Klitzing ist ein deutscher Physiker. Er wurde am 28.06.1943 in Schroda geboren.
1985 erhielt er den Nobelpreis für Physik „für die Entdeckung des quantisierten Hall-Effekts“ im Grenobler Hochfeld-Magnetlabor.

Beruflicher Werdegang

Klaus von Klitzing erlangte 1962 sein Abitur am Artland-Gymnasium Quakenbrück. Danach nahm er das Studium der Physik an der Technischen Universität Braunschweig auf, welches er 1969 mit dem Diplom abschloss.

Danach war von Klitzing bis 1980 an der Justus-Maximilians-Universität in Würzburg bei Gottfried Landwehr tätig. In Würzburg schrieb er 1972 seine Doktorarbeit zu dem Thema „Galvanomagnetische Eigenschaften von Tellur in starken Magnetfeldern“. 1978 folgte seine Habilitation.

Von 1975 bis 1976 arbeitete Klaus von Klitzing am Clarenton Laboratory in Oxford und von 1979 bis 1980 am Hochfeld-Magnetlabor in Grenoble. Dort machte er die entscheidende Entdeckung für den Quanten-Hall-Effekt.

1980 wurde von Klitzing von der Technischen Universität München auf eine Professur für Festkörperphysik berufen. 1985 wechselte er an das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung nach Stuttgart. Im selben Jahr wurde von Klitzing von der Universität Stuttgart zum Honorarprofessor ernannt.

Wissenschaftliche Verdienste

Ebenfalls 1985 erhielt Klaus von Klitzing den Nobelpreis für Physik für seine Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts. Seine Messungen brachten ihm die Erkenntnis, dass die gemessenen Hall-Widerstände ganzzahlige Teile einer Größe sind, die eine universelle Naturkonstante darstellt. Die von ihm entdeckte Größe enthält Dimensionen eines elektrischen Widerstands. Mit der Klitzing-Konstante gibt es seither eine Bezugsgröße für Widerstände, die überall auf der Welt gleich ist.

Der Quanten-Hall-Effekt war außerdem einer der Ausgangspunkte für die nanoelektronische Forschung und die wissenschaftliche Erforschung der physikalischen Eigenschaften von Halbleitern, deren Größe weit unterhalb der Mikroelektronik liegt.

Klaus von Klitzing ist Mitglied der Jury des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft. Außerdem ist er Jurymitglied des Klaus-von-Klitzing-Preises, der an engagierte Lehrerinnen und Lehrer naturwissenschaftlicher Fächer vergeben wird.

Bereits 1986 erhielt Klaus von Klitzing die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Er ist seit 1999 Ehrenmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Von Klitzing ist außerdem Inhaber mehrerer Ehrendoktortitel an verschiedenen Universitäten in neun Nationen.

 

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Harald zur Hausen

Harald zur Hausen wurde  am 11.03.1936 in Gelsenkirchen-Buer geboren. Er hat drei Söhne und ist mit Ethel-Michele de Villiers verheiratet.

Beruflicher Werdegang

Nach dem Abitur studierte Harald zur Hausen Medizin an den Universitäten Bonn, Hamburg und Düsseldorf, wo er 1960 promoviert wurde. Über verschiedene Stellen in Pennsylvania und Würzburg erfolgte 1972 der Ruf auf den Lehrstuhl für Klinische Virologie der Universität Erlangen-Nürnberg. Weitere Stationen seiner wissenschaftlichen Laufbahn waren die Universität Freiburg, wo zur Hausen den Lehrstuhl für Virolgie und Hygiene innehatte und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, dessen Vorsitz er von 1983 bis 2003 bekleidete.

Wissenschaftliche Verdienste

Zur Hausens Forschungsgebiet war die Entstehung von Krebsarten aus Virusinfektionen. Durch seine Forschungen zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs durch das humane Papillomvirus konnte ein Impfstoff gegen diese Krebsart entwickelt werden, der seit 2006 zur Verfügung steht. Für diese Entdeckung wurde ihm 2008 zusammen mit den Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen.

Bereits 2006 ehielt Harald zur Hausen die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. 2009 wurde er im Schloss Bellevue von Horst Köhler mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet.

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