Landeskunde Baden-Württemberg

 

Der Weg und das Ziel

Die Reise der Siedler umfasste drei oder vier Etappen, worüber Briefe detaillierte Auskunft geben. Entweder auf dem Rhein, Main und Neckar oder auf dem Landweg wurden zunächst Städte an der Donau angepeilt, um den trotz noch unregulierter Donau schnelleren Weg nach Südost anzutreten. Die Reichsstadt Ulm, zugleich Mittelpunkt des Schwäbischen Kreises, war dabei neben Regensburg und Günzburg nur einer von mehreren Sammelpunkten sowohl als Auswanderer- als auch als Rückwandererhafen insbesondere für Emigranten aus dem südwestdeutschen Raum. Dort angekommen, hatte man zu warten, bis ein sogenanntes Ordinari-Schiff abging – sie fuhren regelmäßig ab 1696 von Regensburg und ab 1712 von Ulm  –  oder ein Sondertransport zusammengestellt war.

Die wohl seit den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts abwertend auch als „Ulmer Schachteln“ bezeichneten  „Schwabenplätten“  oder  „Wiener  Zillen“  waren  17 bis 30 Meter  lang, sechs bis sieben  Meter breit,  besaßen  eine Tragfähigkeit von 25 bis 150 Tonnen und fuhren mit einer Geschwindigkeit von sieben bis acht Kilometern pro Stunde. Je  nach  Witterung  oder  Fahrgastaufkommen  dauerte  der Aufenthalt in Ulm auch oft mehrere Wochen, was sich auch in kirchlichen Unterlagen niederschlug. So wurde  im Eheregister  des  (katholischen)  Augustinerstifts  St.  Michael  zu den Wengen  in Ulm am 23.  April 1752 die Eheschließung von Johann Carl Siehler und Maria Theresia Machab mit dem Vermerk verzeichnet: „Itinerantes in Unghariam, als wohin nur in diesem Frühjahr schon über 6000 aus der Pfalz, von dem Rhein u[nd] aus dem Schwarzwald und Oberländern abgegangen.“

In Wien, wo die für die Batschka und das Banat bestimmten Siedler registriert wurden und einen Ansiedlungspass mit dem Bestimmungsort erhielten, setzte die dritte Etappe der mit großen Gefahren verbundenen Reise ein. Sie führte bis nach Ofen (ung. Buda), der am westlichen Donauufer gelegenen Stadt, die seit 1873 einen Teil von Budapest bildet. Aber auch andere Donauhäfen wurden angefahren, von denen aus das Ansiedlungsgebiet auf dem Landweg zu erreichen war. Manche der Ansiedler legten die Strecke zwischen Wien und Ofen auf dem Landweg zurück.