Landeskunde Baden-Württemberg

 

Ein Denkmal am Donauufer

„Herzlich  willkommen  in  Ulm,  der  Patenstadt  der  Banater Schwaben und seit mehr als drei Jahrzehnten Gastgeber der Heimattage  der  Landsmannschaft  der  Banater  Schwaben!“ Mit  diesen  Worten  begrüßte  Ivo  Gönner,  der  Oberbürgermeister der Stadt Ulm, die mehreren tausend Teilnehmer des Heimattages der Banater Schwaben zu Pfingsten 2010. Neben dem Ulmer Stadtoberhaupt waren Vertreter der Landes, des Bundes und auch der rumänischen Regierung anwesend. Am frühen Nachmittag des 22. Mai fanden ein von Trachtengruppen begleiteter „Festumzug zum Auswanderer-Denkmal am Donauufer“, eine „Gedenkfeier mit Kranzniederlegung“ am Auswanderer-Denkmal  und  ein  „Auftritt  in  historischen Trachten mit Ausschiffung auf einer ‚Ulmer Schachtel‘“ auf der Donau statt.

Am  13. September 2008  lud  –  dieses  Mal  die  Landsmannschaft der Donauschwaben aus Jugoslawien – zu einer großen „Gedenk- und Jubiläumsveranstaltung“ am gleichen Ort ein. Sie war mit einem Landestrachtenfest im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg verbunden. Im Mittelpunkt stand eine „Gedenkfeier am Ahnen-Auswanderer-Denkmal am Donauschwabenufer“. Mit einer Kranzniederlegung und einem „Gruß an die Donau mit Kranzübergabe“ wurde des 50. Jahrestages  der  Errichtung  des  Denkmals  und  der  Ausweisung  der  Donauschwaben  aus  Jugoslawien  nach  dem Zweiten Weltkrieg gedacht. Auch dieses Mal waren Stadt und Land hochrangig vertreten.

Dieses  sind  nur  zwei  der  jüngsten  aus  einer  Reihe  von   ver   gleichbaren  Veranstaltungen  aller  donauschwäbischen Landsmannschaften – der Donauschwaben aus Jugoslawien, der Ungarndeutschen, der Banater Schwaben und der Sathmarer Schwaben. Ulm und die Donau liefern dafür mehr als die unverzichtbare Kulisse. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das am Rande der Altstadt, aber außerhalb der Stadtmauern zwischen Wilhelmshöhe und dem Donauufer gelegene Auswanderer-Denkmal. Auf der mehrere Meter hohen, aus vier Muschelkalksteinquadern  zusammengesetzten  Stele  ist  an der Front ein stilisiertes Boot angebracht. Im Boot steht ein Mann, der seinen Arm schützend um die Schultern seiner auf einem Gepäckstück sitzenden Frau legt, auf deren Schoß ein Kind sitzt. Aus dem Boot ragt ein großes, schlankes Kreuz empor. An der Stele ist die Inschrift angebracht: „Von Ulm aus zogen deutsche Siedler im 18. Jahrhundert auf der Donau nach dem Südosten Europas. Ihre Nachfahren kehrten, vom Schicksal nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben, in das Land ihrer Väter zurück.“

Mit  seiner  Lage,  Bildersprache  und  Inschrift  ist  das  Denkmal die in Stein gehauene und in Bronze gegossene Erinnerung  an  eine  mehr  als  drei  Jahrhunderte  umfassende  Vergangenheit. Es ist sowohl zum Inbegriff donauschwäbischen Selbstverständnisses  als  auch  Teil  des  Selbstverständnisses der Stadt Ulm und des Landes geworden. Diese Bedeutung des Denkmals ist das Ergebnis von Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit. Die Geschichte, auf die sich das Denkmal bezieht, ist differenzierter als die, die das Denkmal und seine Inschrift evozieren. Es ist die Geschichte von mehreren zu unterscheidenden Migrationen, ihren Folgen und deren spezifische Deutung.