Landeskunde Baden-Württemberg

 

Geschichte und Erinnerung

Die seit dem Ende des Ersten Weltkriegs dreigeteilte donauschwäbische Geschichte erfuhr als Folge des Zweiten Weltkriegs  eine  weitere  geografische  Aufsplitterung.  Zu  den  in Ungarn und Rumänien Verbliebenen kamen die donauschwäbischen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich, in der Bundesrepublik, in der DDR, in den USA und in weiteren Staaten  Nord-  und  Südamerikas  bis  hin  zu  Südafrika  und Australien hinzu. Zunächst sprach wenig dafür, dass sich der deutsche  Südwesten  zum  Schwerpunkt  der  donauschwäbischen Flüchtlinge und Vertriebenen entwickeln würde. Das umso mehr, als die Ausweisung der „Schwaben“ aus Ungarn vorwiegend  nach  Württemberg-Baden  nicht  auf  die  Herkunft eines Teils der Vorfahren dieser Vertriebenen zurückzuführen  ist,  sondern  rein  logistisch  begründet  war. 

Erst nach  und  nach  wurde  der  deutsche  Südwesten  auch  quantitativ  betrachtet  zum  neuen  Mittelpunkt  der  „Schwaben“ aus Ungarn, Rumänien und Jugoslawien. Die Vertriebenen aus diesen Staaten bildeten 1961 mit rund 23 Prozent, was etwa  350 000  Personen  entspricht,  nach  den  Sudetendeutschen die zweitstärkste Vertriebenengruppe in Baden-Württemberg. „Erst allmählich“ – so formulierte es ein aus dem Ofener Bergland stammender Donauschwabe – „drang das Bewußtsein in uns durch, daß diese Fremde uns neue Heimat werden muß.“

Mit der Verlagerung des Siedlungsschwerpunktes in den deutschen Südwesten ging die zunehmende Betonung der historischen  Verbindungen  der  Donauschwaben  mit  dem  deutschen Südwesten einher. Der erste „Tag der Donauschwaben“ fand mit hoher politischer Vertretung des Landes und des Bundes am 11. und 12. September 1954 eher zufällig in Esslingen am Neckar statt. Dabei stellten die Organisatoren, die Landsmannschaften  der  Donauschwaben  aus  Jugoslawien und die Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien, die alle Donauschwaben verbindende Geschichte und Kultur in den Vordergrund.