Landeskunde Baden-Württemberg

 

Migrationen – weit mehr als Ulm und „Ulmer Schachteln“

Den Niedergang des Osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert machten sich das Russische Reich und die Habsburgische Monarchie zunutze. Nach der siegreichen Abwehr der osmanischen Belagerung Wiens 1683 ergriff das kaiserliche Heer die Initiative, die die Rückeroberung Ungarns einleitete. Der 1699 geschlossene Friede von Karlowitz bestätigte die neuen Machtverhältnisse, mit denen der gesamte mittlere Donauraum an die Habsburger fiel. Schließlich wurden mit dem Frieden von Passarowitz 1718 die  politischen Voraussetzungen für die neuzeitliche Kolonisation in Südosteuropa geschaffen.

Zeitgenössischer  Praxis  folgend,  setzten  sich  die  Wiener   Regierung  und  die  privaten  Grundherren  das  Ziel,  das gesamte  eroberte  und  erworbene  Land  kulturell  und  vor allem  wirtschaftlich  zu  entwickeln.  Nur  so  war  das  Gebiet gegen  die  nach  wie  vor  bestehende  osmanische  Gefahr  zu sichern. Zudem sollte das Gebiet helfen, die Einkünfte der Wiener Hofkammer und jene privater Grundherren zu verbessern. Von einem durch gezielte Migrationspolitik ausgelösten Bevölkerungszuwachs wurde eine höhere Wirtschaftskraft und mit ihr ein höheres Steueraufkommen erwartet: ubi populus, ibi obulus, oder: „Wo Menschen sind, da füllt sich die Staatskasse.“