Landeskunde Baden-Württemberg

 

Ulm wird zum Wallfahrtsort der Donauschwaben

Mit  der  Einweihung  des  Denkmals  stieg  Ulm  zum  Wallfahrtsort  der  Donauschwaben  schlechthin  auf.  In  der  Folgezeit wurde an der nahe gelegenen Stadtmauer eine Reihe von Gedenktafeln einzelner Heimatortsgemeinschaften angebracht. Ulm wiederum bezeichnet sich seither als Stadt der Donauschwaben. Das Ulmer Auswanderer-Denkmal, wenn es auch nicht an der historisch verbürgten Ablegestelle der „Ulmer  Schachteln“  liegt,  ist  zum  Kristallisationspunkt  der Verbindung von Ulm und den Donauschwaben geworden. In Ulm wurde 1960 auch der symbolische Grundstein für ein „Haus der Donauschwaben“ gelegt. Errichtet wurde es dann aber  1970  in  Sindelfingen. 

Nichtsdestotrotz  blieb  Ulm  der zentrale Erinnerungsort. Daher bestand zwischen dem Bund, dem  Land,  der  Stadt  und  den  donauschwäbischen  Landsmannschaften  Einigkeit  darüber,  dass  das  „Donauschwäbische Zentralmuseum“ in Ulm entstehen sollte. Im Jahre 2000 öffnete es seine Pforten für die Besucher. Die Stadt Ulm wiederum nimmt das Jahr 2012 zum Anlass, um mit einem breiten kulturellen Programm an die 1712 angeblich ersten Emigranten zu erinnern, die mit „Ulmer Schachteln“ donauabwärts  Richtung  Ungarn  fuhren.  Ein  Festakt  am  Auswanderer-Denkmal  wird  mit  Sicherheit  ein  zentraler  Punkt  des Programms sein.

Das  Ahnen-Auswanderer-Denkmal  am  Ulmer  Donauufer verkörpert das Bild einer imaginierten Gruppe der Donauschwaben, für das Ulm und die Donau konstitutiv sind. Es stiftet  Gemeinschaft  durch  Erinnern.  Ulm  und  die  Donau sind dabei die zeitübergreifenden und zeitlosen Fixpunkte, die Orientierung und Halt in einer wechselvollen, von Migration geprägten Geschichte bieten. Mit jeder Kranzniederlegung  der  Donauschwaben,  von  Vertretern  der  Stadt  und des Landes wird die Erinnerung daran erneuert. Damit ist der über  tausendjährigen  Vergangenheit  der  Stadt  Ulm  in  den letzten sechs Jahrzehnten eine Geschichte zugewachsen, die weit über die historisch verbriefte Vergangenheit hinausgeht.