Landeskunde Baden-Württemberg

 

Das Ende der Weimarer Republik

as Ende der Weimarer Republik vollzog sich langsam und war vor allem der mangelnden politischen Kultur geschuldet. Bereits um 1928 wurden die Weichen zur Abschaffung der Demokratien gestellt. Zwei Faktoren waren dafür auch im Südwesten ausschlaggebend; die Radikalisierung der konservativen Parteien auf dem rechten Rand des Parteienspektrums und die zunehmende Unwilligkeit der Parteien der Weimarer Koalition, auch weiterhin konstruktiv zusammenzuarbeiten. Auf dem linken Rand führte die Spaltung der SPD in die MSPD (Mehrheitssozialdemokratie), den Spartakusbund und die KPD zu Uneinigkeit. Ein einheitliches und gemeinsames Auftreten der Linken gab es nicht mehr. Stattdessen begann die KPD mit ideologischen Säuberungen innerhalb ihrer eigenen Partei und schwächte sich dadurch zusätzlich.

Auf konservativer Seite rückte vor allem die Deutschnationale Volkspartei stramm nach rechts. Hatte die Partei noch bis 1928 vor allem die konservativen Protestanten vertreten, die zwar nicht unbedingt positiv gegenüber der neuen Staatsform eingestellt war, durch die Betonung der religiösen Position aber die Demokratie nicht abschaffen wollte und so zur Stabilisierung des Staates beitrug, gab die DNVP auf Reichsebene ihre bisherige Konsenspolitik auf und öffnete sich radikalem antisemitischen Gedankengut. Der Zeitungsmagnat Alfred Hugenberg steht beispielhaft für diese Entwicklung.

In Württemberg führten die Landtagswahlen vom Mai 1928 zu unklaren Mehrheitsverhältnissen: Zwar hatte die SPD Stimmen gewonnen und hätte mit dem Zentrum koalieren können, doch verweigerte sich die Partei einer solchen Koalition.

Unter dem neuen Staatspräsidenten Eugen Bolz, der in allen Kabinetten zuvor bereits Mitglied der Regierung gewesen war, installierte er eine Minderheitsregierung der alten Koalition aus Zentrum, dem einflussreichen Bauern- und Weingärtnerbund und der Württembergischen Bürgerpartei (DNVP). Damit war Bolz auf die Duldung der Regierung durch die liberalen Parteien DVP und DDP angewiesen. Trotz dieser schwierigen Konstellation konnte Bolz die wichtigsten Projekte angehen und sich jeweils eine Mehrheit für seine Politik sichern. Die liberalen Parteien wandten sich vor allem gegen eine Regierungsbeteiligung der nationalistischen Bürgerpartei, da der frühere Staatspräsident Wilhelm Bazille eine rechtskonservative Politik verfolgte, die seine Partei auf Reichsebene vertrat. Nachdem er sich allerdings im Laufe der Regierungsarbeit sehr viel konzilianter zeigte, als dies zuvor für möglich gehalten worden war, war der Weg für DVP und DDP frei Ende 1929 in das Kabinett einzutreten und als Bürgerlicher Block die Mehrheiten im Landtag und Regierung wiederherzustellen. Bis 1933 blieb die Regierung im Amt und handlungsfähig.

In Baden stellten sich die Mehrheitsverhältnisse klarer dar: Die Badische Regierung hatte Rückhalt innerhalb des Parlaments und verfuhr wie in den vergangenen Jahren. SPD und Zentrum arbeiteten weiter gemeinsam zusammen, auch wenn dies wie der Streit um den Abschluss des badischen Konkordats erklären belegt, nicht immer einfach war.

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